Kapitel 1
Die Aufgabenstellung richtig lesen
Situation: In einem Projekt zum Thema Arbeitswelt(en) fasst du für die Teilnehmer/innen den Bericht „Aufsteigen? Reich werden? Vergessen Sie's!“ von Daniel Eckert und Holger Zschäpitz (Die Welt, 2017) zusammen.
- Beschreiben Sie die Veränderungen im Hinblick auf Aufstiegschancen laut Textbeilage.
- Geben Sie die wirtschaftlichen und gesamtgesellschaftlichen Folgen dieser Veränderungen wieder.
- Nennen Sie in der Textbeilage angeführte Maßnahmen, die dazu geeignet sind, diesen Folgen entgegenzuwirken.
Schreibe zwischen 270 und 330 Wörter und markiere Absätze mittels Leerzeilen.
Kapitel 2
Was ist eine Zusammenfassung überhaupt?
Eine Zusammenfassung gibt die wichtigsten Inhalte eines Textes verkürzt, sachlich und in eigenen Worten wieder. Sie ist kein Aufsatz mit eigener Meinung und keine Nacherzählung, die jedes Detail mitnimmt. Die zentrale Schreibhandlung nennt der Erwartungshorizont „Deskription/Rekapitulation“ – beschreiben und wiedergeben.
Bei drei Arbeitsaufträgen auf engem Raum ist Disziplin entscheidend: pro Auftrag nur die Kernpunkte, keine Beispiele im Detail. Die folgenden Merkmale gelten für jede Zusammenfassung.
Ömer sagt:
Drei Aufträge, 300 Wörter – das sind rund 100 Wörter pro Auftrag. Denk daran wie an drei gleich große Tortenstücke. Wer den ersten Auftrag zur halben Torte macht, dem fehlt am Ende der Platz für die Maßnahmen.
Kapitel 3
So baust du deine Zusammenfassung auf
Kapitel 4
Worum geht es im Bericht?
Der Bericht präsentiert das Ergebnis einer Studie der britischen Versicherungsgruppe Standard Life, die sich mit der sinkenden sozialen Mobilität in westlichen Gesellschaften beschäftigt. Die Autoren gehen auf die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen dieser Entwicklung ein und auf Maßnahmen, die dem Trend entgegenwirken können.
Der Text ist also klar dreigeteilt – Befund, Folgen, Maßnahmen – und passt damit genau zu den drei Arbeitsaufträgen.
Kapitel 5
Arbeitsauftrag 1 – Die Veränderungen der Aufstiegschancen
Der erste Auftrag will die Veränderungen bei den Aufstiegschancen. Der Erwartungshorizont nennt:
Kapitel 6
Arbeitsauftrag 2 – Die Folgen
Der zweite Auftrag verlangt die wirtschaftlichen und gesamtgesellschaftlichen Folgen:
| 💶 Wirtschaftliche Folgen | 👥 Gesellschaftliche Folgen |
|---|---|
| Wertvolles Potenzial wird nicht genutzt – das führt zur Stagnation der Wirtschaft. | Durch soziale Ungleichheit verliert die Gesellschaft an Stabilität. |
| Nicht nur die Aufstiegschancen sinken – auch die Vermögensunterschiede werden größer. | Soziale Separierung: Arm und Reich leben in verschiedenen Gegenden, ihre Kinder besuchen unterschiedliche Schulen; Kinder aus „Problembezirken“ haben geringere Chancen. |
| Ungleichheit wird zunehmend als Ungerechtigkeit empfunden, wenn Leistung keine Chance auf Aufstieg mehr bietet. |
Ömer sagt:
Der Auftrag sagt ausdrücklich „wirtschaftlich und gesamtgesellschaftlich“. Zeig beide Seiten: Die Wirtschaft verliert Potenzial – und die Gesellschaft verliert Zusammenhalt.
Kapitel 7
Arbeitsauftrag 3 – Die Gegenmaßnahmen
Der dritte Auftrag verlangt die Maßnahmen, die den Folgen entgegenwirken können. Der Erwartungshorizont nennt zwei:
- Als Gegenmaßnahmen nennt der Text frühzeitige staatliche Investitionen in die Bildung, damit Kinder aller Schichten gute Bildung erhalten und die soziale Trennung abnimmt.
- Zudem brauche es ein differenzierendes Bildungssystem mit anerkannten Abschlüssen – ohne dabei akademische Abschlüsse zu entwerten.
Kapitel 8
Ömers ausführlicher Erklärungstext
Okay, schauen wir uns diese Aufgabe in Ruhe an. Die Textsorte ist eine Zusammenfassung: sachlich, in eigenen Worten, im Präsens – und keine eigene Meinung. Der Text ist ein Bericht mit dem Titel „Aufsteigen? Reich werden? Vergessen Sie's!“ von Daniel Eckert und Holger Zschäpitz, erschienen 2017 in der Zeitung Die Welt. Das gehört in deinen Basissatz.
Das Besondere an dieser Aufgabe: Sie hat drei Arbeitsaufträge, und du hast trotzdem nur 270 bis 330 Wörter. Das heißt, du musst dir den Platz gut einteilen – ungefähr ein Drittel pro Auftrag. Der häufigste Fehler ist, den ersten Auftrag breit auszuwalzen und am Ende keinen Platz mehr für die Maßnahmen zu haben. Also: Disziplin.
Worum geht es? Um eine Studie der britischen Versicherungsgruppe Standard Life zur sinkenden sozialen Mobilität – also dazu, dass der gesellschaftliche Aufstieg immer schwerer wird.
Der erste Auftrag: die Veränderungen bei den Aufstiegschancen. Der Kernbefund: Der soziale Aufstieg ist so schwer wie noch nie seit dem Zweiten Weltkrieg. Immer stärker entscheidet das Elternhaus über die eigenen Einkommensaussichten. Besonders drastisch ist das in Großbritannien, Italien, Frankreich und den USA – dort werden über 40 Prozent der Gehaltsunterschiede an die nächste Generation vererbt. In Skandinavien, Deutschland und Kanada ist es schwächer, aber auch da wirkt die Herkunft. Und eine eindrückliche Zahl: In den 1980ern verdienten noch 80 Prozent der 30-Jährigen mehr als ihre Eltern im gleichen Alter; in den USA ist es heute nur noch die Hälfte. Die Schlussfolgerung: Fleiß allein garantiert keinen Aufstieg mehr – daher der Titel „Trotz Fleiß kein Preis“.
Der zweite Auftrag: die Folgen, und zwar wirtschaftlich und gesellschaftlich. Wirtschaftlich: Wertvolles Potenzial bleibt ungenutzt, das bremst die Wirtschaft. Gesellschaftlich: Die Ungleichheit wächst, die Gesellschaft verliert an Stabilität, die Vermögensunterschiede werden größer. Dazu kommt die soziale Separierung – Arm und Reich leben in getrennten Vierteln, ihre Kinder gehen in unterschiedliche Schulen, und Kinder aus Problembezirken haben schlechtere Chancen. Und je weniger Leistung sich auszahlt, desto mehr wird Ungleichheit als Ungerechtigkeit empfunden.
Der dritte Auftrag: die Gegenmaßnahmen. Der Text nennt vor allem zwei. Erstens: frühe staatliche Investitionen in die Bildung, damit Kinder aus allen Schichten gute Schulen bekommen und die soziale Trennung abnimmt. Zweitens: ein differenzierendes Bildungssystem, dessen Abschlüsse von Arbeitgebern anerkannt werden – aber ohne dabei die höheren, akademischen Abschlüsse zu entwerten.
Zum Schluss der wichtigste Rat: Lass den Aufhänger mit dem SAP-Chef und die vielen Einzelzahlen weg, nimm pro Auftrag nur die Kernpunkte, und achte darauf, dass wirklich alle drei Aufträge vorkommen. Schreib im Präsens, in eigenen Worten, ohne eigene Meinung. Halte dich an 270 bis 330 Wörter und mach für jeden Auftrag einen eigenen Absatz. Dann hast du eine ausgewogene, saubere Zusammenfassung.
Kapitel 9
Tipps für deine eigene Lösung
- Beginnt deine Zusammenfassung mit einem Basissatz (Textsorte, Autoren, Titel, Quelle, Thema)?
- Hast du die Veränderungen beschrieben (Aufstieg schwer wie nie, Elternhaus entscheidet)?
- Hast du die wirtschaftlichen UND gesellschaftlichen Folgen wiedergegeben?
- Hast du die Maßnahmen genannt (Bildungsinvestitionen, differenzierendes System)?
- Sind alle drei Aufträge etwa gleich ausführlich?
- Schreibst du durchgehend im Präsens, in eigenen Worten, ohne eigene Meinung?
- Liegst du zwischen 270 und 330 Wörtern und sind die Absätze mit Leerzeilen markiert?
Die Bücher von Ömers Team
Alle Bücher von Ömers Team gibt es kostenlos auf oemersteam.com – direkt im Browser, auf dem Smartphone lesbar, ohne App und ohne Anmeldung.
Jetzt kostenlos lesen →