Textsorte Zusammenfassung · Maturabeispiel 2020

Zusammenfassung zum Bericht „Österreichische Nationalbibliothek“
– Schritt für Schritt erklärt

Diese Seite begleitet dich bei der Matura-Aufgabe, einen Bericht über die Österreichische Nationalbibliothek zusammenzufassen. Du lernst, wie du die wichtigsten Entwicklungsphasen ihrer Geschichte wiedergibst und die heutigen Aufgaben der Bibliothek beschreibst – sachlich, in eigenen Worten, im Präsens und ohne eigene Meinung.

📖 12. Schulstufe 🎓 Deutsch – Zusammenfassung 🧩 Aufgabe + Lösung verlinkt 🏛️ Geschichte & Wissen
Sara Ömer
Ömer

🎧 Ömer erklärt · Hör zuerst rein!

„Österreichische Nationalbibliothek“ zusammenfassen – Ömers Audio-Erklärung

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Kapitel 1

Die Aufgabenstellung richtig lesen

⚠️ Der häufigste Fehler
Der Bericht ist eine bunte Reportage voller anschaulicher Details (der 21 km lange Tiefenspeicher, der Raum „Sarg“, die Ledersessel im Foyer). Viele nehmen diese Farbtupfer mit und verlieren die roten Fäden. Gefragt sind nur die wesentlichen Entwicklungsphasen und die heutigen Aufgaben – sachlich, in eigenen Worten und ohne eigene Meinung.
Offizieller Arbeitsauftrag

Situation: Im Rahmen des Klassenprojekts Bibliotheken Österreichs fasst du für die Projektteilnehmer/innen den Bericht „Im Labyrinth des Wissens“ von Judith E. Innerhofer (Die Zeit, 2018) zusammen.

  1. Geben Sie wesentliche Entwicklungsphasen in der Geschichte der Österreichischen Nationalbibliothek wieder.
  2. Beschreiben Sie die Aufgaben, die diese Bibliothek laut Textbeilage gegenwärtig erfüllt.

Schreibe zwischen 270 und 330 Wörter und markiere Absätze mittels Leerzeilen.

1
Entwicklungsphasen wiedergeben
Gib die Geschichte als knappe Zeitleiste wieder: von der habsburgischen Prachtbibliothek über die wissenschaftliche Öffnung und die NS-Plünderung bis zur heutigen Restitution.
💡 Denke in Phasen, nicht in Anekdoten.
2
Heutige Aufgaben beschreiben
Beschreibe, was die Bibliothek gegenwärtig leistet: bewahren, archivieren, digitalisieren und den Zugang zu Wissen öffnen.
🧠 Achtung: „gegenwärtig“ – also die heutigen Aufgaben, nicht die historischen.
3
Form einhalten
Sachlich, im Präsens, in eigenen Worten, keine wörtlichen Zitate, keine eigene Meinung. Zu Beginn ein Basissatz mit Textsorte, Autorin, Titel, Quelle und Thema.
🎯 Die vielen Reportage-Details bewusst weglassen.
📄
Aufgabenblatt – Österreichische Nationalbibliothek
Herbsttermin 2020 · Deutsch · Thema 1 / Aufgabe 2 · inkl. Textbeilage
🧠
Lösungshinweise / Erwartungshorizont
Offizielle Musterlösung – Grundlage dieser Erklärung
🔍

Kapitel 2

Was ist eine Zusammenfassung überhaupt?

Eine Zusammenfassung gibt die wichtigsten Inhalte eines Textes verkürzt, sachlich und in eigenen Worten wieder. Sie ist kein Aufsatz mit eigener Meinung und keine Nacherzählung, die jedes Detail mitnimmt. Die zentrale Schreibhandlung nennt der Erwartungshorizont „Deskription/Rekapitulation“ – beschreiben und wiedergeben.

Bei einer Reportage wie dieser ist die Kunst, die Fakten von den Farbtupfern zu trennen: Entwicklungsphasen und Aufgaben zählen, atmosphärische Szenen nicht. Die folgenden Merkmale gelten für jede Zusammenfassung.

✅ Sachlich & objektiv
Keine eigene Meinung, keine Bewertung. Du berichtest, was im Text steht.
✅ Eigene Worte
Formuliere um. Wörtliche Zitate (z. B. von Direktorin Rachinger) gehören nicht in eine Zusammenfassung.
✅ Präsens
Gegenwart: „Der Bericht beschreibt …“, „Die Bibliothek archiviert …“.
✅ Fakten statt Farbe
Tiefenspeicher, Ledersessel, der Raum „Sarg“: schöne Bilder, aber verzichtbar. Es zählen Phasen und Aufgaben.
✅ Nur das Wichtige
Einzelne Namen und Jahreszahlen stark reduzieren – die großen Linien genügen.
✅ Basissatz am Anfang
Textsorte, Autorin, Titel, Quelle, Erscheinungsjahr und Thema in einem einleitenden Satz.
Ömer

Ömer sagt:

Eine Reportage will dich mit Szenen fesseln – der Raum „Sarg“, die 21 Regalkilometer. Schön zu lesen, aber in der Zusammenfassung Ballast. Frag dich immer: Ist das eine Entwicklungsphase oder eine heutige Aufgabe? Wenn nicht, streich es.

🗂️

Kapitel 3

So baust du deine Zusammenfassung auf

1
Einleitung / Basissatz
Nenne Textsorte, Autorin, Titel, Quelle, Erscheinungsjahr und Thema in einem Satz und formuliere die Grundidee.
Beispiel: Der Bericht „Im Labyrinth des Wissens“ von Judith E. Innerhofer, erschienen 2018 in der Zeitung „Die Zeit“, zeichnet die Geschichte der Österreichischen Nationalbibliothek nach und beschreibt ihre heutigen Aufgaben.
2
Hauptteil A – Entwicklungsphasen
Gib die Geschichte als Zeitleiste wieder: habsburgische Prachtbibliothek, wissenschaftliche Öffnung, Republik, NS-Plünderung, Restitution.
3
Hauptteil B – Heutige Aufgaben
Beschreibe, was die Bibliothek heute leistet: bewahren, archivieren, digitalisieren, Zugang zu Wissen öffnen.
4
Kurzer Schluss (optional)
Ein knapper Satz, der bündelt – etwa, dass die Bibliothek Bewahrung und Digitalisierung verbindet, um Wissen allen zugänglich zu machen. Keine eigene Wertung!
📝
Wortanzahl & Absätze
Verlangt sind 270 bis 330 Wörter. Markiere die Absätze mit Leerzeilen. Die Struktur „Geschichte – heutige Aufgaben“ ergibt zwei bis drei klare Absätze.
📰

Kapitel 4

Worum geht es im Bericht?

Der Bericht beschreibt die historische Entwicklung der Österreichischen Nationalbibliothek und ihre unterschiedlichen Aufgabenbereiche. Als „Gründungscodex“ gilt ein 650 Jahre altes Schriftstück; die Sammlung ist die größte des Landes. Zugleich spiegelt die Bibliothek die Geschichte Österreichs – bis hin zur Frage, welchen Platz ein Haus, dessen Kerngeschäft bedrucktes Papier war, im digitalen Zeitalter hat.

Damit liefert der Text genau die zwei Bausteine der Aufgabe: die Entwicklungsphasen (Auftrag 1) und die heutigen Aufgaben (Auftrag 2).

Gut zu wissen – Namen & Begriffe
Hugo Blotius = erster Bibliothekar (ab 1576), der die Bibliothek wissenschaftlich öffnete. Karl VI. = ließ die prunkvolle Hofbibliothek errichten. Johanna Rachinger = heutige Direktorin (seit 2001), die Restitution und Digitalisierung vorantrieb. Restitution = Rückgabe des in der NS-Zeit geraubten Guts.
Tipp: Du musst nicht alle Namen nennen – die Phasen sind wichtiger als die Personen.
1️⃣

Kapitel 5

Arbeitsauftrag 1 – Entwicklungsphasen der Bibliothek

Am besten gibst du die Geschichte als knappe Zeitleiste wieder. Der Erwartungshorizont nennt diese Phasen – wähle die wichtigsten aus:

PhaseEntwicklung
UrsprungEin 650 Jahre altes Schriftstück gilt als „Gründungscodex“.
Habsburger (Mittelalter/16. Jh.)Die Herrscher sammeln Bücher und Objekte (Globen, Atlanten, Nachlässe) und inszenieren mit Prachtbänden Einfluss und Reichtum; Maximilian I. erkennt das Buch als Propagandainstrument.
Ab 1576Mit dem ersten Bibliothekar Hugo Blotius wird die Sammlung wissenschaftlich ausgerichtet; Gelehrte erhalten Zugang.
Unter Karl VI. (18. Jh.)Die zuvor verstreuten Bestände erhalten mit der prunkvollen „kaiserlichen Hofbibliothek“ ein eigenes Haus.
Erste RepublikUmwandlung zur „National-Bibliothek“ – bewusst nicht „österreichisch“ genannt (mangelndes Nationalbewusstsein).
Austrofaschismus / NS-ZeitBereicherung an geschlossenen sozialdemokratischen Einrichtungen; 1938 übernehmen die Nationalsozialisten die Bibliothek und rauben über 50.000 Bücher.
GegenwartUnter Direktorin Johanna Rachinger wird das Raubgut wissenschaftlich aufgearbeitet und weitgehend restituiert.
✅ So könnte dein Absatz zu Auftrag 1 klingen
  • Die Bibliothek geht auf einen 650 Jahre alten „Gründungscodex“ zurück; die Habsburger sammelten Bücher und Kostbarkeiten und nutzten Prachtbände zur Selbstdarstellung.
  • Ab 1576 erhielt sie durch den ersten Bibliothekar eine wissenschaftliche Ausrichtung, später unter Karl VI. ein eigenes Prunkgebäude.
  • Nach dem Ende der Monarchie wurde sie zur Nationalbibliothek; in der NS-Zeit wurden zehntausende Bücher geraubt, die heute weitgehend restituiert sind.
2️⃣

Kapitel 6

Arbeitsauftrag 2 – Die heutigen Aufgaben

Der zweite Auftrag verlangt die gegenwärtigen Aufgaben der Bibliothek. Der Erwartungshorizont nennt fünf Bereiche:

Bestände erhalten
Die Bibliothek bewahrt und pflegt ihre umfangreichen Bestände.
Museen & Sammlungen verwalten
Sie verwaltet mehrere Museen und Sammlungen sowie Prunk- und Schauräume.
Alles Österreichische archivieren
Gesetzlich vorgeschrieben archiviert sie jede in Österreich erscheinende Publikation – dadurch die größte Sammlung des Landes.
Virtuelle Bibliothek
Sie digitalisiert historische Bücher (Austrian Books Online) und Zeitungen und sammelt E-Books sowie alle Internet-Inhalte mit der Domain „.at“.
Wissen für alle
Leitidee ist die Demokratisierung des Zugangs zu Wissen.
Ömer

Ömer sagt:

Merk dir vier Verben für die heutigen Aufgaben: bewahren, verwalten, archivieren, digitalisieren – und das Ziel dahinter: Wissen für alle zugänglich machen. Damit hast du Auftrag zwei schon im Griff.

🎙️

Kapitel 7

Ömers ausführlicher Erklärungstext

Ömer erklärt – ausführlicher Sprechtext für 1.mp3

Okay, schauen wir uns diese Aufgabe in Ruhe an. Die Textsorte ist eine Zusammenfassung: sachlich, in eigenen Worten, im Präsens – und keine eigene Meinung. Der Text ist ein Bericht mit dem Titel „Im Labyrinth des Wissens“ von Judith E. Innerhofer, erschienen 2018 in der Zeitung Die Zeit. Es geht um die Österreichische Nationalbibliothek. Das gehört in deinen Basissatz.

Wichtig: Der Text ist eine Reportage. Das heißt, er ist voller anschaulicher Szenen – der 21 Kilometer lange Bücherspeicher, ein zugemauerter Raum mit dem Spitznamen „Sarg“, junge Leute mit Laptops in roten Ledersesseln. Das liest sich toll, aber für die Zusammenfassung ist es Ballast. Deine Aufgabe ist, die Fakten herauszuziehen: die Entwicklungsphasen und die heutigen Aufgaben.

Jetzt zum ersten Auftrag: die wesentlichen Entwicklungsphasen. Denk in einer Zeitleiste. Am Anfang steht ein 650 Jahre alter „Gründungscodex“. Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit sammeln die Habsburger Bücher und allerlei Kostbarkeiten und nutzen prächtige Bände zur Selbstdarstellung – Maximilian I. erkennt das Buch sogar als Propagandamittel. Ab 1576 kommt der erste Bibliothekar, Hugo Blotius, und richtet die Sammlung wissenschaftlich aus, sodass auch Gelehrte Zugang bekommen. Unter Karl VI. entsteht im 18. Jahrhundert die prunkvolle Hofbibliothek als eigenes Gebäude. Nach dem Ende der Monarchie wird daraus die Nationalbibliothek – interessanterweise vermeidet man bewusst das Wort „österreichisch“, weil ein Nationalbewusstsein fehlt. In der Zeit des Austrofaschismus und dann besonders unter den Nationalsozialisten ab 1938 bereichert sich die Bibliothek durch geraubte Bücher, über fünfzigtausend Werke. Und schließlich, unter der heutigen Direktorin Johanna Rachinger, wird dieses Raubgut wissenschaftlich aufgearbeitet und weitgehend zurückgegeben. Das ist deine Zeitleiste.

Jetzt der zweite Auftrag: die heutigen Aufgaben. Hier zählst du auf, was die Bibliothek gegenwärtig leistet. Erstens erhält und pflegt sie ihre riesigen Bestände. Zweitens verwaltet sie Museen, Sammlungen und Prunkräume. Drittens – und das ist gesetzlich vorgeschrieben – archiviert sie jede einzelne Publikation, die in Österreich erscheint, vom Groschenroman bis zur Dissertation. Dadurch ist sie die größte Sammlung des Landes. Viertens baut sie eine virtuelle Bibliothek auf: Sie digitalisiert historische Bücher und Zeitungen, sammelt E-Books und sogar das gesamte Internet mit der Endung Punkt-a-t. Und über allem steht ein Leitgedanke: die Demokratisierung des Zugangs zu Wissen, also Wissen für alle zugänglich zu machen.

Zum Schluss der wichtigste Rat: Lass die schönen Reportage-Bilder weg und konzentriere dich auf Phasen und Aufgaben. Schreib im Präsens, in eigenen Worten, ohne Zitate und ohne eigene Meinung. Halte dich an 270 bis 330 Wörter und trenne deine Absätze mit Leerzeilen. Dann hast du eine klare, sachliche Zusammenfassung.

🚀

Kapitel 8

Tipps für deine eigene Lösung

✗ So nicht (Reportage-Detail)
„Im Foyer fläzen sich junge Menschen mit Laptops und Sandwiches in roten Ledersesseln, und ein Mitarbeiter erklärt den Irrgarten-Trick.“
✓ Besser (Fakt zur Aufgabe)
„Heute öffnet sich die Bibliothek einem breiten Publikum; ihr Ziel ist die Demokratisierung des Zugangs zu Wissen.“
Zeitleiste bilden
Markiere alle Epochen/Jahreszahlen und ordne sie zu wenigen klaren Phasen.
Geschichte ≠ Gegenwart
Auftrag 1 = früher (Phasen). Auftrag 2 = heute (Aufgaben). Sauber in zwei Absätze trennen.
Details weglassen
Tiefenspeicher, „Sarg“, Ledersessel: streichen. Es zählen Phasen und Aufgaben.
Präsens durchhalten
„Der Bericht beschreibt …“, „Die Bibliothek archiviert …“. Durchgehend Gegenwart.
Checkliste
  • Beginnt deine Zusammenfassung mit einem Basissatz (Textsorte, Autorin, Titel, Quelle, Thema)?
  • Hast du die Geschichte als geordnete Zeitleiste wiedergegeben (Habsburger, Öffnung 1576, Republik, NS-Raub, Restitution)?
  • Hast du die heutigen Aufgaben beschrieben (bewahren, verwalten, archivieren, digitalisieren, Zugang öffnen)?
  • Hast du die Reportage-Details und Zitate weggelassen?
  • Schreibst du durchgehend im Präsens und in eigenen Worten?
  • Ist deine eigene Meinung wirklich draußen geblieben?
  • Liegst du zwischen 270 und 330 Wörtern und sind die Absätze mit Leerzeilen markiert?
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