Kapitel 1
Die Aufgabenstellung richtig lesen
Situation: Im Rahmen des Klassenprojekts Bibliotheken Österreichs fasst du für die Projektteilnehmer/innen den Bericht „Im Labyrinth des Wissens“ von Judith E. Innerhofer (Die Zeit, 2018) zusammen.
- Geben Sie wesentliche Entwicklungsphasen in der Geschichte der Österreichischen Nationalbibliothek wieder.
- Beschreiben Sie die Aufgaben, die diese Bibliothek laut Textbeilage gegenwärtig erfüllt.
Schreibe zwischen 270 und 330 Wörter und markiere Absätze mittels Leerzeilen.
Kapitel 2
Was ist eine Zusammenfassung überhaupt?
Eine Zusammenfassung gibt die wichtigsten Inhalte eines Textes verkürzt, sachlich und in eigenen Worten wieder. Sie ist kein Aufsatz mit eigener Meinung und keine Nacherzählung, die jedes Detail mitnimmt. Die zentrale Schreibhandlung nennt der Erwartungshorizont „Deskription/Rekapitulation“ – beschreiben und wiedergeben.
Bei einer Reportage wie dieser ist die Kunst, die Fakten von den Farbtupfern zu trennen: Entwicklungsphasen und Aufgaben zählen, atmosphärische Szenen nicht. Die folgenden Merkmale gelten für jede Zusammenfassung.
Ömer sagt:
Eine Reportage will dich mit Szenen fesseln – der Raum „Sarg“, die 21 Regalkilometer. Schön zu lesen, aber in der Zusammenfassung Ballast. Frag dich immer: Ist das eine Entwicklungsphase oder eine heutige Aufgabe? Wenn nicht, streich es.
Kapitel 3
So baust du deine Zusammenfassung auf
Kapitel 4
Worum geht es im Bericht?
Der Bericht beschreibt die historische Entwicklung der Österreichischen Nationalbibliothek und ihre unterschiedlichen Aufgabenbereiche. Als „Gründungscodex“ gilt ein 650 Jahre altes Schriftstück; die Sammlung ist die größte des Landes. Zugleich spiegelt die Bibliothek die Geschichte Österreichs – bis hin zur Frage, welchen Platz ein Haus, dessen Kerngeschäft bedrucktes Papier war, im digitalen Zeitalter hat.
Damit liefert der Text genau die zwei Bausteine der Aufgabe: die Entwicklungsphasen (Auftrag 1) und die heutigen Aufgaben (Auftrag 2).
Kapitel 5
Arbeitsauftrag 1 – Entwicklungsphasen der Bibliothek
Am besten gibst du die Geschichte als knappe Zeitleiste wieder. Der Erwartungshorizont nennt diese Phasen – wähle die wichtigsten aus:
| Phase | Entwicklung |
|---|---|
| Ursprung | Ein 650 Jahre altes Schriftstück gilt als „Gründungscodex“. |
| Habsburger (Mittelalter/16. Jh.) | Die Herrscher sammeln Bücher und Objekte (Globen, Atlanten, Nachlässe) und inszenieren mit Prachtbänden Einfluss und Reichtum; Maximilian I. erkennt das Buch als Propagandainstrument. |
| Ab 1576 | Mit dem ersten Bibliothekar Hugo Blotius wird die Sammlung wissenschaftlich ausgerichtet; Gelehrte erhalten Zugang. |
| Unter Karl VI. (18. Jh.) | Die zuvor verstreuten Bestände erhalten mit der prunkvollen „kaiserlichen Hofbibliothek“ ein eigenes Haus. |
| Erste Republik | Umwandlung zur „National-Bibliothek“ – bewusst nicht „österreichisch“ genannt (mangelndes Nationalbewusstsein). |
| Austrofaschismus / NS-Zeit | Bereicherung an geschlossenen sozialdemokratischen Einrichtungen; 1938 übernehmen die Nationalsozialisten die Bibliothek und rauben über 50.000 Bücher. |
| Gegenwart | Unter Direktorin Johanna Rachinger wird das Raubgut wissenschaftlich aufgearbeitet und weitgehend restituiert. |
- Die Bibliothek geht auf einen 650 Jahre alten „Gründungscodex“ zurück; die Habsburger sammelten Bücher und Kostbarkeiten und nutzten Prachtbände zur Selbstdarstellung.
- Ab 1576 erhielt sie durch den ersten Bibliothekar eine wissenschaftliche Ausrichtung, später unter Karl VI. ein eigenes Prunkgebäude.
- Nach dem Ende der Monarchie wurde sie zur Nationalbibliothek; in der NS-Zeit wurden zehntausende Bücher geraubt, die heute weitgehend restituiert sind.
Kapitel 6
Arbeitsauftrag 2 – Die heutigen Aufgaben
Der zweite Auftrag verlangt die gegenwärtigen Aufgaben der Bibliothek. Der Erwartungshorizont nennt fünf Bereiche:
Ömer sagt:
Merk dir vier Verben für die heutigen Aufgaben: bewahren, verwalten, archivieren, digitalisieren – und das Ziel dahinter: Wissen für alle zugänglich machen. Damit hast du Auftrag zwei schon im Griff.
Kapitel 7
Ömers ausführlicher Erklärungstext
Okay, schauen wir uns diese Aufgabe in Ruhe an. Die Textsorte ist eine Zusammenfassung: sachlich, in eigenen Worten, im Präsens – und keine eigene Meinung. Der Text ist ein Bericht mit dem Titel „Im Labyrinth des Wissens“ von Judith E. Innerhofer, erschienen 2018 in der Zeitung Die Zeit. Es geht um die Österreichische Nationalbibliothek. Das gehört in deinen Basissatz.
Wichtig: Der Text ist eine Reportage. Das heißt, er ist voller anschaulicher Szenen – der 21 Kilometer lange Bücherspeicher, ein zugemauerter Raum mit dem Spitznamen „Sarg“, junge Leute mit Laptops in roten Ledersesseln. Das liest sich toll, aber für die Zusammenfassung ist es Ballast. Deine Aufgabe ist, die Fakten herauszuziehen: die Entwicklungsphasen und die heutigen Aufgaben.
Jetzt zum ersten Auftrag: die wesentlichen Entwicklungsphasen. Denk in einer Zeitleiste. Am Anfang steht ein 650 Jahre alter „Gründungscodex“. Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit sammeln die Habsburger Bücher und allerlei Kostbarkeiten und nutzen prächtige Bände zur Selbstdarstellung – Maximilian I. erkennt das Buch sogar als Propagandamittel. Ab 1576 kommt der erste Bibliothekar, Hugo Blotius, und richtet die Sammlung wissenschaftlich aus, sodass auch Gelehrte Zugang bekommen. Unter Karl VI. entsteht im 18. Jahrhundert die prunkvolle Hofbibliothek als eigenes Gebäude. Nach dem Ende der Monarchie wird daraus die Nationalbibliothek – interessanterweise vermeidet man bewusst das Wort „österreichisch“, weil ein Nationalbewusstsein fehlt. In der Zeit des Austrofaschismus und dann besonders unter den Nationalsozialisten ab 1938 bereichert sich die Bibliothek durch geraubte Bücher, über fünfzigtausend Werke. Und schließlich, unter der heutigen Direktorin Johanna Rachinger, wird dieses Raubgut wissenschaftlich aufgearbeitet und weitgehend zurückgegeben. Das ist deine Zeitleiste.
Jetzt der zweite Auftrag: die heutigen Aufgaben. Hier zählst du auf, was die Bibliothek gegenwärtig leistet. Erstens erhält und pflegt sie ihre riesigen Bestände. Zweitens verwaltet sie Museen, Sammlungen und Prunkräume. Drittens – und das ist gesetzlich vorgeschrieben – archiviert sie jede einzelne Publikation, die in Österreich erscheint, vom Groschenroman bis zur Dissertation. Dadurch ist sie die größte Sammlung des Landes. Viertens baut sie eine virtuelle Bibliothek auf: Sie digitalisiert historische Bücher und Zeitungen, sammelt E-Books und sogar das gesamte Internet mit der Endung Punkt-a-t. Und über allem steht ein Leitgedanke: die Demokratisierung des Zugangs zu Wissen, also Wissen für alle zugänglich zu machen.
Zum Schluss der wichtigste Rat: Lass die schönen Reportage-Bilder weg und konzentriere dich auf Phasen und Aufgaben. Schreib im Präsens, in eigenen Worten, ohne Zitate und ohne eigene Meinung. Halte dich an 270 bis 330 Wörter und trenne deine Absätze mit Leerzeilen. Dann hast du eine klare, sachliche Zusammenfassung.
Kapitel 8
Tipps für deine eigene Lösung
- Beginnt deine Zusammenfassung mit einem Basissatz (Textsorte, Autorin, Titel, Quelle, Thema)?
- Hast du die Geschichte als geordnete Zeitleiste wiedergegeben (Habsburger, Öffnung 1576, Republik, NS-Raub, Restitution)?
- Hast du die heutigen Aufgaben beschrieben (bewahren, verwalten, archivieren, digitalisieren, Zugang öffnen)?
- Hast du die Reportage-Details und Zitate weggelassen?
- Schreibst du durchgehend im Präsens und in eigenen Worten?
- Ist deine eigene Meinung wirklich draußen geblieben?
- Liegst du zwischen 270 und 330 Wörtern und sind die Absätze mit Leerzeilen markiert?
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