Kapitel 1
Die Aufgabenstellung richtig lesen
Situation: Du befasst dich im Unterricht mit dem Thema Sprache und Politik und fasst für deine Mitschüler/innen den Sachtext „Sprache und Politik“ von Heiko Girnth (Bundeszentrale für politische Bildung, 2010) zusammen.
- Geben Sie die Funktionen von Sprache in der Politik wieder.
- Beschreiben Sie Merkmale politischer Kommunikation.
Schreibe zwischen 270 und 330 Wörter und markiere Absätze mittels Leerzeilen.
Kapitel 2
Was ist eine Zusammenfassung überhaupt?
Eine Zusammenfassung gibt die wichtigsten Inhalte eines Textes verkürzt, sachlich und in eigenen Worten wieder. Sie ist kein Aufsatz mit eigener Meinung und keine Nacherzählung, die jedes Detail mitnimmt. Die zentrale Schreibhandlung nennt der Erwartungshorizont „Deskription/Rekapitulation“ – beschreiben und wiedergeben.
Bei einem abstrakten Sachtext ist die Kunst, die Fachbegriffe in verständliche eigene Worte zu übersetzen. Die folgenden Merkmale gelten für jede Zusammenfassung.
Ömer sagt:
Ein Fachbegriff wie „Persuasion“ zeigt nur dann, dass du den Text verstanden hast, wenn du ihn auch übersetzt: „Persuasion, also das Überzeugen der Bürger“. Begriff nennen – und sofort erklären. Das ist bei so einem Text die halbe Miete.
Kapitel 3
So baust du deine Zusammenfassung auf
Kapitel 4
Worum geht es im Text?
Der Ausschnitt aus dem Sachtext Sprache und Politik beschäftigt sich mit zwei Dingen: mit den Funktionen von Sprache in der Politik und mit den Merkmalen politischer Kommunikation in freiheitlichen Demokratien. Grundgedanke: Sprache ist nicht nur ein Werkzeug der Politik, sondern überhaupt erst die Bedingung ihrer Möglichkeit – „Reden bedeutet Handeln“.
Damit liefert der Text genau die zwei Bausteine für deine Arbeitsaufträge: die Funktionen (Auftrag 1) und die Merkmale der Kommunikation (Auftrag 2).
Kapitel 5
Arbeitsauftrag 1 – Funktionen von Sprache in der Politik
Der erste Auftrag verlangt die Funktionen von Sprache in der Politik – also, wozu Sprache dient. Der Erwartungshorizont nennt diese Punkte:
- Laut dem Text ist Sprache in der Politik nicht bloß ein Werkzeug, sondern die Grundbedingung von Politik – Reden sei bereits Handeln.
- Eine zentrale Funktion sei die Persuasion, also das Überzeugen der Bürger/innen, um Zustimmung und Vertrauen zu gewinnen; sie sei eng mit der Information verbunden (informativ-persuasive Funktion).
- Zudem diene Sprache als Machtinstrument und als Mittel, um politische Entscheidungen auszuhandeln.
Kapitel 6
Arbeitsauftrag 2 – Merkmale politischer Kommunikation
Der zweite Auftrag verlangt die Merkmale politischer Kommunikation – also, was sie kennzeichnet. Der Erwartungshorizont nennt:
| Merkmal | Was es bedeutet |
|---|---|
| Öffentlichkeit | Politische Kommunikation findet großteils öffentlich statt. |
| Massenmedialität | Sie wird über Massenmedien (Fernsehen, Presse, Rundfunk, Internet) verbreitet; Öffentlichkeit und Massenmedien beeinflussen einander. |
| Mehrfache Adressierung | Eine Aussage richtet sich gleichzeitig an mehrere Gruppen (z. B. eigene Partei, andere Parteien, Bürger/innen). |
| Inszenierungscharakter | Durch die Ausrichtung auf ein Massenpublikum wird politisches Sprechen inszeniert (zwei Kommunikationsebenen, z. B. in der Talkshow). |
| Eigene Interaktionsformen | Es entstehen typische mündliche Formen wie die politische Talkshow. |
| Aufmerksamkeit als Ziel | Politische Kommunikation zielt vor allem auf die Erzeugung von Aufmerksamkeit. |
| Mediokratie & Politainment | Die Medien beeinflussen die Politikvermittlung (Mediokratie); diese wird auch auf Unterhaltung ausgerichtet (Politainment). |
Ömer sagt:
Achte auf den Unterschied im Auftrag: Bei den Funktionen fragst du „Wozu dient Sprache?“, bei den Merkmalen „Wie läuft die Kommunikation ab?“. Wenn du diese zwei Fragen trennst, schreibst du automatisch geordnet.
Kapitel 7
Ömers ausführlicher Erklärungstext
Okay, schauen wir uns diese Aufgabe in Ruhe an. Die Textsorte ist eine Zusammenfassung: sachlich, in eigenen Worten, im Präsens – und keine eigene Meinung. Der Text ist diesmal ein abstrakter Sachtext, „Sprache und Politik“ von Heiko Girnth, erschienen 2010 auf der Website der Bundeszentrale für politische Bildung. Das gehört in deinen Basissatz. Die Herausforderung: Der Text ist voller Fachbegriffe. Deine Aufgabe ist, sie in verständliche eigene Worte zu übersetzen.
Der Grundgedanke des Textes: Sprache ist in der Politik nicht bloß ein Werkzeug, sondern die Bedingung dafür, dass es Politik überhaupt gibt. „Reden bedeutet Handeln“, heißt es. Ein Bundespräsident, der sagt „Ich erkläre meinen Rücktritt“, tritt damit tatsächlich zurück – das Reden ist die Handlung.
Jetzt zum ersten Auftrag: die Funktionen von Sprache in der Politik. Also: Wozu dient Sprache? Erstens ermöglicht sie Politik überhaupt. Zweitens dient sie der Persuasion, das heißt dem Überzeugen: Politiker erklären und rechtfertigen ihr Handeln, um Zustimmung und Vertrauen zu gewinnen. Drittens dient sie der Information: Politiker tragen Informationen an die Bürger heran. Weil sich Informieren und Überzeugen ständig vermischen, spricht man von der informativ-persuasiven Funktion. Viertens ist Sprache ein Machtinstrument – man erlangt, sichert, übt aus und kontrolliert Macht mit ihr. Und fünftens dient Sprache dazu, Entscheidungen vorzubereiten und auszuhandeln, etwa durch Diskutieren und Verhandeln. Wenn du diese Funktionen wiedergibst, hast du Auftrag eins erfüllt.
Jetzt der zweite Auftrag: die Merkmale politischer Kommunikation. Hier fragst du: Wie läuft diese Kommunikation ab? Erstens: Sie ist großteils öffentlich. Zweitens: Sie läuft über die Massenmedien – Fernsehen, Presse, Rundfunk, Internet. Öffentlichkeit und Massenmedien bedingen einander. Drittens gibt es die mehrfache Adressierung: Eine Rede im Parlament richtet sich gleichzeitig an die eigene Partei, an die anderen Parteien und an die Bürger. Viertens ist politisches Sprechen inszeniert, weil es sich an ein Massenpublikum richtet – denk an eine Fernseh-Talkshow, wo scheinbar diskutiert wird, in Wahrheit aber die Zuschauer überzeugt werden sollen. Fünftens ist das eigentliche Ziel oft die Erzeugung von Aufmerksamkeit. Und schließlich prägen die Medien die Politik so stark, dass man von Mediokratie spricht – der Dominanz der Medien – und von Politainment, also der Vermischung von Politik und Unterhaltung.
Zum Schluss der wichtigste Rat: Lass dich von den Fachbegriffen nicht einschüchtern. Nenne sie ruhig, aber erkläre jeden in einem Halbsatz mit eigenen Worten. Wähle die wichtigsten Punkte aus, halte dich an 270 bis 330 Wörter und trenne deine Absätze mit Leerzeilen. Dann hast du eine klare, sachliche Zusammenfassung – die zeigt, dass du den Text wirklich verstanden hast.
Kapitel 8
Tipps für deine eigene Lösung
- Beginnt deine Zusammenfassung mit einem Basissatz (Textsorte, Autor, Titel, Quelle, Thema)?
- Hast du die Funktionen von Sprache genannt (Ermöglichung, informativ-persuasiv, Macht, Entscheidungen)?
- Hast du die Merkmale beschrieben (öffentlich, massenmedial, mehrfach adressiert, inszeniert, Politainment)?
- Hast du die Fachbegriffe in eigenen Worten erklärt?
- Schreibst du durchgehend im Präsens und in eigenen Worten?
- Ist deine eigene Meinung wirklich draußen geblieben?
- Liegst du zwischen 270 und 330 Wörtern und sind die Absätze mit Leerzeilen markiert?
Die Bücher von Ömers Team
Alle Bücher von Ömers Team gibt es kostenlos auf oemersteam.com – direkt im Browser, auf dem Smartphone lesbar, ohne App und ohne Anmeldung.
Jetzt kostenlos lesen →