Kapitel 1
Die Aufgabenstellung richtig lesen
Situation: Im Rahmen eines Fotografie-Projekts fasst du für die Projekt-Website den Bericht „Kriegsfotograf Simon Norfolk“ von Wolfgang Popp (oe1.orf.at, 2016) zusammen. Adressaten sind die Besucher/innen der Website.
- Beschreiben Sie, wie sich die Bedingungen für die Kriegsfotografie laut Simon Norfolk geändert haben.
- Geben Sie die Besonderheiten der Fotografie von Simon Norfolk und seine Intentionen wieder.
Schreibe zwischen 270 und 330 Wörter und markiere Absätze mittels Leerzeilen.
Kapitel 2
Was ist eine Zusammenfassung überhaupt?
Eine Zusammenfassung gibt die wichtigsten Inhalte eines Textes verkürzt, sachlich und in eigenen Worten wieder. Sie ist kein Aufsatz mit eigener Meinung und keine Nacherzählung, die jedes Detail mitnimmt. Die zentrale Schreibhandlung nennt der Erwartungshorizont „Deskription/Rekapitulation“ – beschreiben und wiedergeben.
Bei diesem Bericht liegt die Schwierigkeit in den vielen Zitaten: Du musst Norfolks Aussagen in eigene Worte fassen und in die indirekte Rede setzen. Die folgenden Merkmale gelten für jede Zusammenfassung.
Ömer sagt:
Immer wenn im Text Anführungszeichen stehen, ist das eine Falle. Du darfst diese Sätze nicht abschreiben. Mach aus „Ich halte Fotografie für ein Handwerk“ ein „Norfolk halte Fotografie eher für ein Handwerk als für Kunst.“ Genau das ist indirekte Rede.
Kapitel 3
So baust du deine Zusammenfassung auf
Kapitel 4
Worum geht es im Bericht?
Der Bericht beschreibt die Arbeit des britischen Kriegsfotografen Simon Norfolk, der Schlachtfelder nach Art romantischer Landschaftsmaler inszeniert. Seine Absicht ist es, den modernen Krieg – bei dem es deutlich weniger direkte Kampfhandlungen gibt – wieder sichtbar zu machen. Damit reagiert er auf die Veränderungen in der Kriegsführung.
Der Text liefert also genau die zwei Bausteine, die du brauchst: Zuerst erklärt Norfolk, warum die klassische Kriegsfotografie an ihre Grenzen kommt (Auftrag 1), dann zeigt der Bericht, wie und wozu Norfolk fotografiert (Auftrag 2).
Kapitel 5
Arbeitsauftrag 1 – Veränderte Bedingungen der Kriegsfotografie
Der erste Auftrag will, dass du beschreibst, wie sich die Bedingungen für die Kriegsfotografie geändert haben. Der Erwartungshorizont nennt dafür zwei Kernpunkte:
- Laut Norfolk habe sich die Kriegsführung grundlegend verändert: Statt offener Schlachten würden heute Drohnen, digitale und psychologische Mittel eingesetzt.
- Deshalb ließen sich die intensiven Nahaufnahmen der klassischen Kriegsfotografie, wie sie etwa Robert Capa machte, kaum mehr herstellen.
- Die Gefahr sei, dass der Krieg dadurch unsichtbar werde.
Kapitel 6
Arbeitsauftrag 2 – Besonderheiten & Intentionen
Der zweite Auftrag hat zwei Teile: die Besonderheiten seines Fotografierens (das Wie) und seine Intentionen (das Warum). Trenne beides sauber.
| 📸 Besonderheiten (Wie fotografiert er?) | 🎯 Intentionen (Warum fotografiert er?) |
|---|---|
| Er zeigt das Resultat der Kämpfe, nicht den Kampf selbst – die Spuren des Krieges in Landschaften. | Er will zeigen, dass auch machtvolle Reiche untergehen (wie in Ruinenbildern romantischer Maler). |
| Er inszeniert Landschaften nach dem Vorbild romantischer Malerei (Wälder, Flüsse, Ruinen). | Er will die Geschichte der Orte „ausgraben“ – deshalb hält er die Bezeichnung „Archäologe“ für passender. |
| Die Lichtverhältnisse sind zentral: pedantische Vorbereitung, Berechnungen mit einer App, um das perfekte Licht zu treffen. | Er will zugleich Schönheit und Schrecken zeigen – diese Mischung nennt er „Erhabenheit“ (Staunen und Erschauern). |
| Er versteht Fotografie eher als Handwerk und Sprache denn als Kunst. | Er will den Krieg sichtbar machen – er dürfe keine Privatsache von Generälen und Politikern sein – und mit Klischees brechen. |
| Seine Fotos sollen frei zugänglich sein (auch auf seiner Website) und öffentliche Debatten auslösen. |
Ömer sagt:
Merk dir die Faustregel: Besonderheiten = wie er fotografiert. Intentionen = warum er es tut. Wenn du in deinem Text diese zwei Fragen klar beantwortest, hast du Auftrag zwei sicher erfüllt.
Kapitel 7
Ömers ausführlicher Erklärungstext
Okay, schauen wir uns diese Aufgabe in Ruhe an. Die Textsorte ist eine Zusammenfassung. Das heißt: sachlich, in eigenen Worten, im Präsens – und keine eigene Meinung. Wichtig bei diesem Text: Er besteht fast nur aus Zitaten von Simon Norfolk. Diese Zitate darfst du nicht abschreiben, du musst sie umformen und in die indirekte Rede setzen. Der Bericht heißt „Kriegsfotograf Simon Norfolk“, ist von Wolfgang Popp und stammt von der ORF-Website oe1.orf.at aus dem Jahr 2016. Das gehört in deinen Basissatz.
Worum geht es? Simon Norfolk ist ein britischer Fotograf, der Schlachtfelder fotografiert – aber so, dass sie aussehen wie romantische Landschaftsgemälde. Sein Ziel ist, den modernen Krieg wieder sichtbar zu machen. Und genau das führt uns zum ersten Auftrag.
Der erste Auftrag: Wie haben sich die Bedingungen für die Kriegsfotografie geändert? Norfolk sagt, die klassische Kriegsfotografie sei ein Anachronismus, also aus der Zeit gefallen. Sie ist in den dreißiger und vierziger Jahren entstanden, als Fotografen wie Robert Capa mitten im Geschehen standen und Soldaten sich direkt gegenüberstanden. Heute aber werden Kriege von Drohnen geführt, es gibt psychologische Kriegsführung, und man besiegt den Gegner, indem man Viren in seine Computersysteme einschleust. So etwas kann man nicht mehr wie früher mit der Kamera einfangen. Die Folge: Der Krieg droht unsichtbar zu werden. Das ist der Kern von Auftrag eins.
Der zweite Auftrag hat zwei Teile: die Besonderheiten seiner Fotografie und seine Intentionen. Fangen wir mit den Besonderheiten an, also dem Wie. Norfolk zeigt nicht den Kampf selbst, sondern das Resultat – die Spuren des Krieges in der Landschaft. Er inszeniert diese Landschaften wie romantische Gemälde, mit Wäldern, Flüssen und Ruinen. Ganz wichtig ist ihm das Licht: Er bereitet seine Aufnahmen pedantisch vor und berechnet mit einer App genau, wann das perfekte Licht da ist – oft nur für wenige Minuten. Und er sagt selbst, dass er Fotografie nicht als Kunst sieht, sondern als Handwerk und als Sprache.
Jetzt der zweite Teil, die Intentionen, also das Warum. Norfolk will mit seinen Ruinenbildern zeigen, dass auch mächtige Reiche untergehen – genau wie die romantischen Maler das taten. Er will die Geschichte der Orte gewissermaßen ausgraben; deshalb nennt er sich lieber Archäologe als Fotograf. Er will Schönheit und Schrecken zugleich zeigen, eine Mischung, die er „Erhabenheit“ nennt – etwas, das einen zugleich staunen und schaudern lässt. Vor allem aber will er den Krieg sichtbar machen: Er dürfe nicht zur Privatsache von Generälen und Politikern werden. Und weil ihm das so wichtig ist, stellt er seine Fotos frei auf seiner Website zur Verfügung, damit sie öffentliche Debatten auslösen.
Zum Schluss der wichtigste Rat: Nimm dir bei diesem Text bewusst Zeit, die Zitate umzuformen. Wähle die wichtigsten Punkte aus – du musst nicht jedes Detail wie das Bagdad-Tor oder die Leica-Kamera erwähnen. Halte dich an 270 bis 330 Wörter und trenne deine Absätze mit Leerzeilen. Dann hast du eine saubere, sachliche Zusammenfassung – in eigenen Worten und ohne eigene Meinung.
Kapitel 8
Tipps für deine eigene Lösung
- Beginnt deine Zusammenfassung mit einem Basissatz (Textsorte, Autor, Titel, Quelle, Thema)?
- Hast du beschrieben, wie sich die Kriegsführung (Drohnen, digital, psychologisch) und damit die Fotografie verändert hat?
- Hast du die Besonderheiten seines Stils genannt (Spuren statt Kampf, romantische Inszenierung, Licht, Handwerk)?
- Hast du seine Intentionen wiedergegeben (Krieg sichtbar machen, Erhabenheit, Debatte auslösen)?
- Hast du alle Zitate in eigene Worte und indirekte Rede umgeformt?
- Ist deine eigene Meinung wirklich draußen geblieben?
- Liegst du zwischen 270 und 330 Wörtern und sind die Absätze mit Leerzeilen markiert?
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