Kapitel 1
Die Aufgabenstellung richtig lesen
Situation: Du befasst dich im Unterricht mit dem Themenbereich Verhaltenspsychologie. Für deine Mitschüler/innen fasst du den Artikel „Nudging: Anstupsen für den guten Zweck“ von Kathrin Burger (Spektrum.de, 2015) zusammen.
- Geben Sie wieder, wie Cass Sunstein und Richard Thaler den Begriff Nudging verstehen.
- Erschließen Sie im Artikel angeführte Argumente der Befürworter/innen und Kritiker/innen dieser Methode.
Schreibe zwischen 270 und 330 Wörter und markiere Absätze mittels Leerzeilen.
Kapitel 2
Was ist eine Zusammenfassung überhaupt?
Eine Zusammenfassung gibt die wichtigsten Inhalte eines Textes verkürzt, sachlich und in eigenen Worten wieder. Sie ist kein Aufsatz, in dem du deine Meinung sagst, und keine Nacherzählung, die jedes Detail mitnimmt. Die zentrale Schreibhandlung nennt der Erwartungshorizont „Deskription/Rekapitulation“ – also beschreiben und wiedergeben.
Das klingt einfach, ist aber die Textsorte, bei der die meisten Punkte an Formfehlern verloren gehen: eigene Wertung, wörtliches Abschreiben, falsche Zeitform. Wenn du die folgenden Merkmale beachtest, bist du auf der sicheren Seite.
Ömer sagt:
Merk dir den Unterschied: Beim Kommentar oder Leserbrief ist deine Meinung Pflicht. Bei der Zusammenfassung ist deine Meinung verboten. Du bist hier Reporter, nicht Kommentator – du gibst neutral wieder, was andere sagen.
Kapitel 3
So baust du deine Zusammenfassung auf
Kapitel 4
Worum geht es im Artikel?
Der Artikel beschreibt die Methode des Nudging, von der sich die US-amerikanischen Forscher Cass Sunstein und Richard Thaler erhoffen, dass Menschen dadurch gesünder und glücklicher werden. Der Text stellt Befürworter und Kritiker dieser Methode gegenüber. Nudging ist eine Intervention, die ein unerwünschtes Verhalten allein durch „sanftes Anstupsen“ positiv verändern will. Die Beispiele stammen im Artikel überwiegend aus dem Gesundheitsbereich.
Genau diese Grundidee brauchst du für deinen Basissatz und den Einstieg. Für die beiden Arbeitsaufträge musst du dann gezielt zwei Dinge herausarbeiten: die Definition von Nudging (Kapitel 5) und die Argumente beider Seiten (Kapitel 6).
Kapitel 5
Arbeitsauftrag 1 – Den Begriff Nudging wiedergeben
Der erste Arbeitsauftrag lautet: „Geben Sie wieder, wie Cass Sunstein und Richard Thaler den Begriff Nudging verstehen.“ Der Erwartungshorizont nennt dafür drei Kernpunkte, die du unbedingt treffen solltest:
- Laut Sunstein und Thaler bedeute Nudging ein „sanftes Anstupsen“, mit dem Menschen zu gesünderen Entscheidungen bewegt werden sollen.
- Die Umgebung werde so gestaltet, dass die bessere Alternative naheliege – ohne dass andere Optionen verboten würden oder Kosten entstünden.
- Wer sich dennoch ungesund verhalte, müsse dafür einen kleinen Aufwand in Kauf nehmen.
Kapitel 6
Arbeitsauftrag 2 – Argumente Pro & Contra
Der zweite Arbeitsauftrag verlangt, die im Artikel angeführten Argumente der Befürworter/innen und Kritiker/innen zu erschließen. Am besten trennst du beide Lager in zwei Absätze. Hier die wichtigsten Punkte aus dem Erwartungshorizont:
| 👍 Befürworter/innen – Nudging … | 👎 Kritiker/innen – Nudging … |
|---|---|
| erleichtert die Entscheidung für die bessere Variante – wichtig angesichts der Komplexität der modernen Welt (Beispiel: Supermarkt). | behandelt den Menschen oberlehrerhaft und bevormundet ihn; die Methode nutzt Schwächen aus und ist manipulativ. |
| kann breit eingesetzt werden und verbessert schnell die öffentliche Gesundheit (anders als Verbraucherbildung, Fettsteuer oder Verbote). | untergräbt die Autonomie der Bürger/innen; der Staat greift bevormundend ein. |
| ist wissenschaftlich untermauert und spricht das „impulsive System“ an, das ohne Anstrengung arbeitet. | lässt das „Entscheidungsfindungssystem“ erlahmen – der Verbraucher wird infantilisiert. |
| funktioniert besser als das „reflexive System“, weil rationale Abwägung das Gehirn ermüdet. | ist bisher nur im Experiment erprobt; ob es in der Praxis wirkt, ist unsicher. |
| ist im Handel längst alltäglich und kann transparent eingesetzt werden. | kann zu Scham und Stigmatisierung führen (Beispiele: Raucherzonen, Kampf gegen Übergewicht). |
| kostet die Bürger/innen – anders als etwa eine Fettsteuer – kein zusätzliches Geld. | ist kein Allheilmittel; besser seien Verbraucherbildung, mündige Konsument/innen und eine Kombination mehrerer Methoden. |
Ömer sagt:
Du musst nicht alle zwölf Punkte bringen. Wähle pro Seite drei bis vier starke Argumente und formuliere sie sauber in indirekter Rede. Lieber wenige Argumente klar als eine unsortierte Aufzählung.
Kapitel 7
Ömers ausführlicher Erklärungstext
Okay, schauen wir uns diese Aufgabe in Ruhe an, damit klar wird, was hier wirklich verlangt wird. Die Textsorte ist eine Zusammenfassung. Und das ist wichtig, weil eine Zusammenfassung ganz eigene Spielregeln hat. Du sollst hier nicht deine Meinung sagen. Du sollst nicht diskutieren, ob Nudging gut oder schlecht ist. Du sollst einfach sachlich, in deinen eigenen Worten und im Präsens wiedergeben, was in diesem Artikel steht – und zwar genau zu den zwei Arbeitsaufträgen.
Fangen wir mit dem Thema an. Der Artikel heißt „Nudging: Anstupsen für den guten Zweck“, er ist von Kathrin Burger und stammt von der Website Spektrum.de. Es geht um die Frage, ob der Staat seine Bürgerinnen und Bürger mit sanften Methoden zu besseren, gesünderen Entscheidungen bewegen darf. Genau diese Information gehört in deinen ersten Satz, den sogenannten Basissatz: Textsorte, Autorin, Titel, Quelle und Thema.
Jetzt zum ersten Arbeitsauftrag: Wie verstehen Sunstein und Thaler den Begriff Nudging? Nudging heißt übersetzt so viel wie „sanft anstupsen“. Die Grundidee ist: Man verändert die Umgebung so, dass die Menschen fast von selbst die bessere Alternative wählen. Und jetzt kommt das Entscheidende, das du unbedingt erwähnen musst: Es wird nichts verboten. Die Wahlmöglichkeiten bleiben alle erhalten, sie werden nur anders angeordnet. Wer die ungesunde Variante will, kann sie weiterhin wählen – muss sich dafür aber ein bisschen mehr anstrengen. Und: Es darf die Bürger nichts kosten. Das klassische Beispiel sind Raucherzonen. Rauchen wird nicht verboten, aber man muss extra rausgehen. Das senkt nachweislich den Konsum. Wenn du diese drei Dinge – sanftes Anstupsen, Freiheit bleibt erhalten, keine Kosten – sauber wiedergibst, hast du Auftrag eins erfüllt.
Ein kleiner, aber wichtiger Hinweis: Weil du hier wiedergibst, was zwei Forscher sagen, schreibst du am besten in der indirekten Rede. Also nicht „Nudging ist ein sanftes Anstupsen“, sondern „Laut Sunstein und Thaler sei Nudging ein sanftes Anstupsen“. Dieses kleine Signal zeigt dem Korrektor: Das ist nicht meine Behauptung, das gebe ich aus dem Text wieder.
Kommen wir zum zweiten Arbeitsauftrag: die Argumente der Befürworter und der Kritiker. Am besten machst du daraus zwei getrennte Absätze. Die Befürworter sagen: Nudging erleichtert Entscheidungen in einer komplizierten Welt – allein im Supermarkt gibt es zehntausende Produkte. Es wirkt schnell und auf breiter Ebene, es ist wissenschaftlich untermauert, weil es das schnelle, impulsive System im Gehirn anspricht, und es kostet nichts. Außerdem ist Nudging im Handel längst Alltag und kann transparent, also offen, eingesetzt werden.
Die Kritiker dagegen sagen: Nudging bevormundet die Menschen, es behandelt sie oberlehrerhaft und nutzt ihre Schwächen aus – im Grunde sei das Manipulation. Der Staat untergrabe damit die Autonomie seiner Bürger. Manche warnen, der Mensch werde infantilisiert, also wie ein Kind behandelt, und verlerne das eigenständige Entscheiden. Dazu kommt: Nudging ist bisher vor allem im Experiment erprobt, ob es in der Praxis funktioniert, ist unsicher. Und es kann zu Scham und Stigmatisierung führen, etwa im Kampf gegen Übergewicht. Deshalb sagen viele Fachleute: Besser ist Verbraucherbildung, mündige Konsumenten und eine Kombination mehrerer Methoden.
Ganz wichtig zum Schluss: Du musst nicht alle Argumente aufzählen. Nimm pro Seite drei bis vier starke Punkte. Lieber wenige Argumente, die du klar und in eigenen Worten formulierst, als eine lange, abgeschriebene Liste. Und denk an die Wortanzahl: zwischen 270 und 330 Wörtern. Mit der Struktur Basissatz – Begriff – Pro – Contra kommst du da fast automatisch hin.
Wenn du das so machst, hast du eine saubere Zusammenfassung: sachlich, im Präsens, in indirekter Rede, in eigenen Worten, ohne eigene Meinung – und genau auf die beiden Arbeitsaufträge zugeschnitten. Genau das will die Aufgabe von dir.
Kapitel 8
Tipps für deine eigene Lösung
- Beginnt deine Zusammenfassung mit einem Basissatz (Textsorte, Autorin, Titel, Quelle, Thema)?
- Hast du erklärt, wie Sunstein und Thaler Nudging verstehen (Anstupsen, keine Verbote, keine Kosten)?
- Hast du Pro- und Contra-Argumente getrennt und je drei bis vier genannt?
- Schreibst du durchgehend im Präsens?
- Hast du fremde Aussagen in indirekte Rede gesetzt?
- Ist deine eigene Meinung wirklich draußen geblieben?
- Liegst du zwischen 270 und 330 Wörtern und sind die Absätze mit Leerzeilen markiert?
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