Kapitel 1
Die Aufgabenstellung richtig lesen
Lies die Pro-Kontra-Kommentare „Soll man Touristen ins Weltall fliegen?“ von Gerhard Hegmann (pro) und Reinhard Mohr (kontra) aus Die Welt (2020) und verfasse eine Textanalyse:
- Gib kurz die jeweilige Position der beiden Autoren zum Weltraumtourismus wieder.
- Analysiere die sprachliche Gestaltung der beiden Kommentare.
- Untersuche vergleichend die Argumentation der beiden Autoren.
Reihenfolge beim Vergleich: erst Pro, dann Kontra, dann beide vergleichen. Markiere die Punkte 1/2/3 und trenne sie mit Leerzeilen.
Kapitel 2
Was ist eine (vergleichende) Textanalyse?
Eine Textanalyse untersucht, wie ein Text gemacht ist: seinen Inhalt, seine Sprache und seine Wirkungsabsicht. Hier hast du zwei Texte – deshalb kommt das Vergleichen dazu: Du arbeitest heraus, worin sich die beiden Kommentare gleichen und worin sie sich unterscheiden. Wie immer belegst du jede Beobachtung am Text (Zitat + Zeile) und deutest ihre Wirkung.
Ömer sagt:
Bei zwei Texten ist Ordnung alles. Denk in drei Blöcken: erst Hegmann (pro), dann Mohr (kontra), dann der Vergleich. Wenn du in jedem Auftrag diese Reihenfolge einhältst, verlierst du nie den Überblick.
Kapitel 3
So baust du deine Textanalyse auf
Kapitel 4
Worum geht es in den Kommentaren?
Die Textbeilage stellt zwei Kommentare mit gegensätzlichen Meinungen zum Weltraumtourismus gegenüber. Gerhard Hegmann ist dafür: Der menschliche Entdeckerdrang wecke das Verlangen, die Erde von oben zu sehen; möglichst viele sollten diese Möglichkeit erhalten, weil dieser Blick das Bewusstsein für die Verletzlichkeit der Erde fördere. Reinhard Mohr ist dagegen: Er verweist auf die Schattenseiten von Fortschritt und Wohlstand (Umweltzerstörung, Klimaerwärmung) und bezweifelt den kulturellen Gewinn und die Förderung des Umweltbewusstseins.
Für deine Analyse liefert das die Grundlage: die Positionen (Kap. 5), die Sprache beider Texte (Kap. 6) und der Argumentationsvergleich (Kap. 7).
Kapitel 5
Arbeitsauftrag 1 – Die beiden Positionen
| 👍 Pro – Gerhard Hegmann | 👎 Kontra – Reinhard Mohr |
|---|---|
| Befürwortet Reisen ins All: Der Entdeckerdrang ist zutiefst menschlich und darf nicht „gedeckelt“ werden. | Lehnt den Weltraumtourismus ab: Er verweist auf die Schattenseiten von Fortschritt und Wohlstand. |
| Möglichst viele Menschen sollten die Erde von oben sehen können. | Sieht darin nur einen „sagenhaft teuren Schnupperflug“ ohne echten Nutzen. |
| Der Blick aus dem All fördere das Bewusstsein, dass die Erde verletzlich ist und geschützt werden muss. | Bezweifelt den kulturellen Gewinn und dass der Blick von oben zu mehr Umweltbewusstsein führt. |
Kapitel 6
Arbeitsauftrag 2 – Die Sprache beider Kommentare
Pro-Kommentar (Hegmann) – sachlich-werbend, einfache Wortwahl:
| Mittel | Beispiel (Beleg) | Wirkung |
|---|---|---|
| Parataxe / Forderung | „Das wird und muss so kommen“ (Z. 1); „Das darf nicht gedeckelt werden“ (Z. 19 f.) | Knappe, bestimmte Sätze wirken wie unumstößliche Feststellungen. |
| Vergleich | „Früher war das einmal ein Flug mit der Concorde“ (Z. 25 f.); Weltraumreisen ↔ Reisen auf der Erde (Z. 93–97) | Macht das Neue vertraut und die Argumentation nachvollziehbar. |
| Metapher | „grüner Raketentreibstoff“ (Z. 60 f.) | „Grün“ suggeriert eine umweltfreundliche, hoffnungsvolle Zukunft. |
| Aufzählung | „Die Verletzlichkeit der Erde, Kontinente ohne Grenzen, das Roden des Urwalds …“ (Z. 84–88) | Veranschaulicht, was der Blick aus dem All alles sichtbar macht. |
| Alliteration | „Tickets für den Trip“ (Z. 27 f.) | Macht die Aussage einprägsam und leicht. |
Kontra-Kommentar (Mohr) – ironisch, bildungssprachlich, wertend:
| Mittel | Beispiel (Beleg) | Wirkung |
|---|---|---|
| Ironie | „Sightseeingumlaufbahn“ (Z. 110 f.); „die ach so schöne Welt“ (Z. 193) | Macht den Weltraumtourismus lächerlich und untergräbt seine Ernsthaftigkeit. |
| Reim (Parole) | „Reiche ins All – das Kapital hat einen Knall!“ (Z. 119 f.) | Einprägsame 68er-Parole – bringt die Kapitalismuskritik pointiert auf den Punkt. |
| Dialekt-Zitat (Oma) | „Rakede in de Weltraum schieße, des könne se. Aber des Riesenloch … zumache, des schaffe se ned!“ (Z. 122–126) | Volksnah und humorvoll: die Kluft zwischen Hightech und Alltagsproblemen. |
| Wertende Nomen/Adjektive | „gewaltige Lücke“ (Z. 127); „irdischer Wahnsinn“ (Z. 188) | Bringen die ablehnende Haltung des Autors klar zum Ausdruck. |
| Vergleich | „Auch die Atombombe war ein High-End-Produkt ungebremsten Forscherdrangs“ (Z. 150–152) | Warnt drastisch vor den Gefahren eines grenzenlosen Fortschritts. |
| Wortspiel | „schwerelose Kopfarbeit“ (Z. 182 f.) | Verbindet das Weltraum-Motiv mit spöttischer Abwertung. |
| Rhetorische Frage | „Welche Art von Fortschritt und zu welchen Kosten?“ (Z. 157 f.) | Regt zur kritischen Reflexion an und lenkt die Argumentation. |
- „Mit dem ironischen Neologismus ‚Sightseeingumlaufbahn‘ (Z. 110 f.) stellt Mohr den Weltraumtourismus auf eine Stufe mit banalem Massentourismus und untergräbt so seine Bedeutung.“
- Nicht so: „Mohr ist ironisch, Hegmann sachlich.“ (ohne Beleg und Wirkung)
Kapitel 7
Arbeitsauftrag 3 – Die Argumentation im Vergleich
Der Clou: Beide Autoren behandeln dieselben zwei Hauptargumente – den technologischen Fortschritt und den „veränderten Blick auf die Erde“. Nur bewerten sie sie gegensätzlich:
| Hauptargument | Hegmann (pro) untermauert | Mohr (kontra) entkräftet |
|---|---|---|
| Technischer Fortschritt | Vertrauen in die Technik; Umweltproblem sei erkannt, an Lösungen (Recyclingraketen, grüner Treibstoff) werde gearbeitet. | Fortschritt hat „Schattenseiten“ (Klimaerwärmung, Atombombe); Erkenntnisgewinn für die Profi-Raumfahrt sei fraglich. |
| Blick auf die Erde / Umweltbewusstsein | Der Blick aus dem All präge lebenslang und mache aus Reisenden „Umweltschützer“. | Dieselbe Einsicht gelinge auch bei einem Spaziergang; Touristen würden ohnehin nicht zu „Ökos“. |
| Einsatz von Zitaten | Zitiert die Aussagen der Rückkehrer („Ein wunderschöner Planet“) als Beleg. | Rahmt seinen Text mit dem ironischen Fritz-Teufel-Zitat und der Dialekt-Aussage seiner Oma. |
So lässt sich der Vergleich auf den Punkt bringen: Beide argumentieren mit denselben Kernpunkten, aber Hegmann baut sie auf, Mohr baut sie ab. Hegmann ist sachlich-werbend und optimistisch, Mohr ironisch-skeptisch und gesellschaftskritisch.
Ömer sagt:
Ein starker Vergleich sagt nicht nur „der eine ist dafür, der andere dagegen“. Er zeigt, dass beide über dasselbe reden – Fortschritt und Blick auf die Erde – und nur zu entgegengesetzten Schlüssen kommen. Genau das ist der Kern von Auftrag 3.
Kapitel 8
Ömers ausführlicher Erklärungstext
Okay, schauen wir uns diese Aufgabe in Ruhe an. Die Textsorte ist eine Textanalyse – aber diesmal mit einer Besonderheit: Du hast zwei Texte, einen Pro- und einen Kontra-Kommentar zur Frage „Soll man Touristen ins Weltall fliegen?“, erschienen 2020 in der Welt. Der Pro-Kommentar ist von Gerhard Hegmann, der Kontra-Kommentar von Reinhard Mohr. Beide gehören in deinen Basissatz. Und die Zauberformel bleibt: Mittel, Beleg, Wirkung.
Ganz wichtig ist die Reihenfolge: erst der Pro-Text, dann der Kontra-Text, dann der Vergleich. Wenn du die beiden Autoren vermischst, wird es unübersichtlich.
Der erste Auftrag: Gib beide Positionen kurz wieder. Hegmann ist dafür: Der Entdeckerdrang gehört zum Menschen, möglichst viele sollten die Erde von oben sehen dürfen, denn dieser Anblick mache aus ihnen Umweltschützer. Mohr ist dagegen: Er sieht vor allem die Schattenseiten des Fortschritts – Umweltzerstörung, Klimaerwärmung – und zweifelt daran, dass ein Weltraumflug irgendjemanden zum Umweltschützer macht.
Der zweite Auftrag: die Sprache beider Kommentare. Und hier sind die beiden Texte wunderbar unterschiedlich. Hegmann schreibt sachlich, einfach, fast werbend. Er benutzt kurze, bestimmte Sätze wie „Das wird und muss so kommen“, die wie Tatsachen klingen. Er vergleicht den Weltraumflug mit dem früheren Concorde-Flug, um das Neue vertraut zu machen. Und er spricht von „grünem Raketentreibstoff“ – eine Metapher, die Hoffnung auf eine umweltfreundliche Zukunft weckt. Mohr dagegen ist durch und durch ironisch. Er nennt den Flug spöttisch eine „Sightseeingumlaufbahn“, er zitiert die 68er-Parole „Reiche ins All – das Kapital hat einen Knall“, und er lässt seine Oma im Dialekt sagen, dass man zwar Raketen ins All schießen, aber das Loch in der Straße nicht zumachen kann. Damit zeigt er die Kluft zwischen Hightech und Alltagsproblemen. Dazu kommen wertende Wörter wie „irdischer Wahnsinn“ und der drastische Vergleich mit der Atombombe. Analysiere also erst Hegmanns Sprache, dann Mohrs – immer mit Beleg und Wirkung.
Der dritte Auftrag: der Argumentationsvergleich. Und jetzt kommt das Spannende: Beide reden über genau dieselben zwei Hauptargumente – den technologischen Fortschritt und den veränderten Blick auf die Erde. Nur zieht Hegmann daraus positive Schlüsse und Mohr negative. Beim Fortschritt sagt Hegmann: Das Umweltproblem ist erkannt, man arbeitet an Lösungen. Mohr sagt: Fortschritt hat immer Schattenseiten, siehe Atombombe. Beim Blick auf die Erde sagt Hegmann: Er macht aus Menschen Umweltschützer. Mohr kontert: Das schafft auch ein Spaziergang, und Touristen werden sowieso nicht zu Ökos. Und beide nutzen Zitate – Hegmann die Aussagen der Astronauten, Mohr das ironische Fritz-Teufel-Zitat und seine Oma. Der Kern deines Vergleichs lautet also: Beide behandeln dieselben Argumente, aber der eine baut sie auf, der andere baut sie ab.
Zum Schluss der wichtigste Rat: Halte die drei Punkte klar getrennt, markiere sie mit 1, 2 und 3 und trenne sie mit Leerzeilen. Schreib sachlich, im Präsens, mit Zitaten und Zeilenangaben, und halte Pro und Kontra immer sauber auseinander. Dann hast du eine starke vergleichende Textanalyse.
Kapitel 9
Tipps für deine eigene Lösung
- Beginnt deine Analyse mit einem Basissatz (Textsorte, beide Autoren, Titel, Quelle, Jahr, Thema)?
- Hast du beide Positionen kurz und getrennt wiedergegeben (Pro Hegmann / Kontra Mohr)?
- Hast du die Sprache erst des Pro-, dann des Kontra-Textes analysiert – mit Beleg und Wirkung?
- Hast du die Argumentation wirklich vergleichend untersucht (gleiche Argumente, umgekehrte Bewertung)?
- Schreibst du sachlich, im Präsens und ohne eigene Meinung?
- Sind die drei Punkte mit 1 / 2 / 3 markiert und mit Leerzeilen getrennt?
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