Textsorte Leserbrief · Maturabeispiel 2020

Leserbrief: Kulturgut Lesen

Diese Seite begleitet dich bei der Matura-Aufgabe: einem Leserbrief an die Wochenzeitung Die Zeit zur „Krise des Lesens“. Du lernst, die zwei Gefährdungen des Lesens wiederzugeben, sie mit deinen eigenen Wahrnehmungen in Beziehung zu setzen und deine eigene Position zu begründen.

📖 12. Schulstufe 🎓 Deutsch – Leserbrief 🧩 Aufgabe + Lösung verlinkt 📚 Krise des Lesens
Sara Ömer
Ömer

🎧 Ömer erklärt · Hör zuerst rein!

„Kulturgut Lesen“ – Ömers Audio-Erklärung

📋

Kapitel 1

Die Aufgabenstellung richtig lesen

⚠️ Der häufigste Fehler
Auftrag 2 („in Beziehung setzen“) verlangt deine eigenen Wahrnehmungen – du sollst die Thesen des Autors an deinem Alltag prüfen und zustimmen, widersprechen oder relativieren. Wer nur den Text wiederholt, verfehlt den Auftrag. Und die Briefform (Anrede, Grußformel) darf nie fehlen.
Offizieller Arbeitsauftrag & Situation

Situation: Leserbrief an die Wochenzeitung Die Zeit zu einem Artikel über die Krise des Lesens.

  1. Geben Sie wieder, wodurch das Lesen laut Text gefährdet ist.
  2. Setzen Sie einige Aussagen des Autors zu Ihren eigenen Wahrnehmungen in Beziehung.
  3. Begründen Sie Ihre eigene Position als Antwort auf den Autor.

Schreibe zwischen 270 und 330 Wörter – mit Anrede, klarer Gliederung und Grußformel.

1
Wiedergeben
Nenne die zwei Gefährdungen des Lesens: „neue Technologie“ und „alte Ignoranz“.
💡 Knapp – der Leser kennt den Artikel.
2
In Beziehung setzen
Gleiche einzelne Aussagen mit deinen Erfahrungen ab: zustimmen, widersprechen, relativieren.
🔗 Eigene Beispiele sind Pflicht.
3
Begründen
Formuliere deine eigene Position als Antwort auf den Autor – klar begründet.
🎯 Deine Haltung zur Lesekrise.
📄
Aufgabenblatt – Kulturgut Lesen
Haupttermin 6. Mai 2020 · Deutsch · Thema 1 / Aufgabe 2 · inkl. Textbeilage
🧠
Lösungshinweise / Erwartungshorizont
Offizielle Musterlösung – Grundlage dieser Erklärung
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Kapitel 2

Was ist ein Leserbrief?

Ein Leserbrief ist eine öffentliche Reaktion auf einen Zeitungsartikel. Er verbindet Sachbezug mit eigener Meinung und richtet sich an ein bestimmtes Publikum. Er ist kurz, zugespitzt und persönlich, aber sachlich begründet.

Bei diesem Thema bist du selbst betroffen: Du gehörst zur Generation der Sprachnachrichten und Videos. Deine eigene Erfahrung ist deshalb dein stärkstes Argument. Vergiss trotzdem nie die Briefmerkmale: Bezugszeile, Anrede, Grußformel.

✅ Briefform einhalten
Bezugszeile, Anrede („Sehr geehrte Redaktion,“), Grußformel.
✅ Bezug zum Artikel
Nimm zu Beginn klar auf den Artikel Bezug.
✅ Eigene Erfahrung nutzen
Beobachtungen aus deinem Alltag machen den Brief stark.
✅ Meinung + Begründung
Deine Haltung zählt – aber immer begründet.
✅ Kurz & pointiert
270–330 Wörter: auf den Punkt, keine Umschweife.
✅ Ich-Perspektive erlaubt
„Ich erlebe …“ passt hier besonders gut.
Ömer

Ömer sagt:

Du bist der lebende Testfall für die These des Autors. Schickst du lieber Sprachnachrichten als lange Texte? Oder liest du trotz Handy viel? Beides ist ein starkes Argument – Hauptsache, du belegst es mit deiner echten Erfahrung. Genau das will Auftrag 2.

🗂️

Kapitel 3

So baust du deinen Leserbrief auf

1
Betreff & Anrede
Bezugszeile (Titel des Artikels) und Anrede an die Redaktion.
Beispiel: Betreff: Ihr Artikel „Kulturgut Lesen“ · „Sehr geehrte Redaktion,“
2
Einstieg & Wiedergabe
Bezug auf den Artikel + kurze Wiedergabe der zwei Gefährdungen (Auftrag 1).
3
Hauptteil – Abgleich
Aussagen mit eigenen Wahrnehmungen in Beziehung setzen (Auftrag 2).
4
Eigene Position
Deine begründete Antwort auf den Autor (Auftrag 3).
5
Schluss & Grußformel
Pointiertes Fazit und höfliche Grußformel („Mit freundlichen Grüßen“).
📝
Wortanzahl & Form
Nur 270 bis 330 Wörter. Halte die Wiedergabe knapp, damit genug Platz für deine Wahrnehmungen und Position bleibt. Anrede und Grußformel nicht vergessen.
📖

Kapitel 4

Die Textbeilage im Überblick

Der Artikel bezeichnet das Lesen als die wichtigste Kulturtechnik des Menschen – und sieht sie von zwei Seiten gefährdet:

  • „neue Technologie“: Nach SMS/WhatsApp werden nun Sprachnachrichten, Videos und Sprachassistenten intensiv genutzt. Sie geben der gesprochenen Sprache den Vorzug und verhindern die tiefere Auseinandersetzung mit Geschriebenem.
  • „alte Ignoranz“: Die Bildungspolitik ignoriert die wachsenden Lesedefizite und die sinkende Bedeutung des (Vor-)Lesens, statt gegenzusteuern.
Gut zu wissen – der optimistische Schluss
Der Autor verfällt nicht in Kulturpessimismus. Im Gegenteil: Er will die Krise als Chance nutzen, das Lesen wieder auf seine Stärke zurückzuführen – durch Aktionen und Veranstaltungen, die das Lesen feiern. Diese hoffnungsvolle Wendung ist ein guter Anknüpfungspunkt für deine eigene Position in Auftrag 3.
Tipp: Die griffigen Schlagworte „neue Technologie“ und „alte Ignoranz“ machen deine Wiedergabe präzise.
1️⃣

Kapitel 5

Arbeitsauftrag 1 – Die Gefährdungen wiedergeben

✅ So könnte deine Wiedergabe klingen
  • Der Artikel sieht das Lesen, die wichtigste Kulturtechnik, von zwei Seiten bedroht.
  • Erstens durch die „neue Technologie“: Sprachnachrichten, Videos und Sprachassistenten bevorzugen die gesprochene Sprache und verdrängen die Auseinandersetzung mit Geschriebenem.
  • Zweitens durch die „alte Ignoranz“ der Bildungspolitik, die wachsende Lesedefizite ignoriert, statt das Lesen zu fördern.
  • Der Autor plädiert dafür, die Krise als Chance zu nutzen und das Lesen mit Aktionen wieder zu feiern.

Wichtig: Fasse dich kurz – die zwei Gefährdungen plus der optimistische Schluss reichen. Der Leser kennt den Artikel.

2️⃣

Kapitel 6

Arbeitsauftrag 2 – Mit eigenen Wahrnehmungen abgleichen

Jetzt kommt dein Alltag ins Spiel. Wähle einzelne Aussagen des Autors und prüfe sie an deiner Erfahrung – du kannst zustimmen, widersprechen oder relativieren. Konkrete Beispiele überzeugen am meisten.

Aussage des Autorszustimmenwidersprechen / relativieren
Sprachnachrichten verdrängen das LesenIn meinem Umfeld ersetzen Sprachnachrichten tatsächlich oft das Tippen und Lesen.Zugleich lese und schreibe ich täglich unzählige Chatnachrichten – geschrieben wird also nicht weniger, nur anders.
Die Bildungspolitik ignoriert die LesekriseLeseförderung kommt im Unterricht oft zu kurz.An meiner Schule gibt es sehr wohl Leseprojekte – so pauschal stimmt das nicht.
Menschen kaufen weniger Bücher, bevorzugen EventsLesungen und BookTok-Trends sind beliebt, das klassische Buchregal schrumpft.Gerade durch BookTok lesen viele Jugendliche wieder mehr Bücher – die Krise ist nicht eindeutig.
3️⃣

Kapitel 7

Arbeitsauftrag 3 – Deine eigene Position

Jetzt formulierst du deine eigene Antwort auf den Autor – und begründest sie. Am besten knüpfst du an seinen optimistischen Schluss an.

Zustimmen
Ja, das Lesen ist bedroht – und ja, wir sollten es aktiv fördern und feiern, statt zu resignieren.
Differenzieren
Das Lesen verschwindet nicht, es verändert sich: Wir lesen anders (Chats, Untertitel) – die Sorge ist teils übertrieben.
Widersprechen
Neue Medien sind kein Feind des Lesens; BookTok & Co. beweisen, dass Lesen sogar wieder „cool“ werden kann.
An den Schluss anknüpfen
Greife die Idee auf, das Lesen zu „feiern“ – und mach sie zu deiner eigenen Botschaft.
✅ So könnte dein Schluss klingen
  • Ich teile die Sorge des Autors nur zum Teil: Wir lesen nicht weniger, sondern anders. Trotzdem hat er recht, dass echtes, vertieftes Lesen Förderung braucht.
  • Deshalb gefällt mir sein Vorschlag, das Lesen zu feiern: Wenn Schulen, Medien und Plattformen wie BookTok gemeinsam Begeisterung wecken, wird aus der „Krise des Lesens“ vielleicht eine Renaissance.
Ömer

Ömer sagt:

Deine Position wirkt am stärksten, wenn sie aus deinen Beobachtungen in Auftrag 2 folgt. Wenn du dort BookTok erwähnst, dann bau es im Schluss zur These aus: Neue Medien können Lesen sogar retten. So hat dein Brief einen klaren roten Faden.

🎙️

Kapitel 8

Ömers ausführlicher Erklärungstext

Ömer erklärt – ausführlicher Sprechtext für 1.mp3

Okay, schauen wir uns diese Aufgabe in Ruhe an. Die Textsorte ist ein Leserbrief, an die Wochenzeitung Die Zeit, zu einem Artikel über die Krise des Lesens. Wichtig wie immer beim Leserbrief: die Briefform mit Bezugszeile, Anrede und Grußformel, und die kurze Länge, nur 270 bis 330 Wörter. Und das Schöne: Bei diesem Thema bist du selbst betroffen, du gehörst genau zu der Generation, über die der Autor schreibt.

Der erste Auftrag: Gib wieder, wodurch das Lesen laut Text gefährdet ist. Der Autor nennt zwei Gefahren. Die erste ist die neue Technologie: Nach SMS und WhatsApp nutzen wir jetzt vor allem Sprachnachrichten, Videos und Sprachassistenten. Die geben der gesprochenen Sprache den Vorzug und verhindern die tiefere Auseinandersetzung mit Geschriebenem. Die zweite ist die alte Ignoranz: Die Bildungspolitik ignoriert die wachsenden Lesedefizite und die sinkende Bedeutung des Vorlesens, statt gegenzusteuern. Und ganz wichtig: Der Autor bleibt nicht pessimistisch. Er will die Krise als Chance nutzen und das Lesen mit Aktionen und Veranstaltungen wieder feiern. Halte das knapp.

Der zweite Auftrag: Setze einige Aussagen des Autors zu deinen eigenen Wahrnehmungen in Beziehung. Das ist der Kern. Nimm dir einzelne Thesen heraus und prüf sie an deinem Alltag – du kannst zustimmen, widersprechen oder relativieren. Zum Beispiel: Stimmt es, dass Sprachnachrichten das Lesen verdrängen? Vielleicht bestätigst du das aus deinem Umfeld – oder du relativierst, weil du ja täglich unzählige Chatnachrichten liest und schreibst, geschrieben wird also nicht weniger, nur anders. Oder die These, dass Menschen weniger Bücher kaufen: Da kannst du auf BookTok verweisen, wo gerade viele Jugendliche wieder mehr lesen. Bring ruhig ein konkretes Beispiel, das macht den Brief glaubwürdig.

Der dritte Auftrag: Begründe deine eigene Position als Antwort auf den Autor. Du kannst ihm zustimmen, widersprechen oder differenzieren. Am besten knüpfst du an seinen optimistischen Schluss an. Zum Beispiel: Ich teile die Sorge nur zum Teil, wir lesen nicht weniger, sondern anders – aber echtes, vertieftes Lesen braucht Förderung. Und deshalb gefällt mir seine Idee, das Lesen zu feiern: Wenn Schulen, Medien und Plattformen wie BookTok gemeinsam Begeisterung wecken, wird aus der Krise vielleicht eine Renaissance. Wichtig ist, dass deine Position aus deinen Beobachtungen aus dem zweiten Auftrag folgt.

Zum Schluss der wichtigste Rat: Briefform nicht vergessen, adressatengerecht und mit klarer Meinung schreiben, bei 270 bis 330 Wörtern bleiben und einen roten Faden von deinen Wahrnehmungen bis zu deiner Position ziehen. Dann hast du einen starken Leserbrief.

🚀

Kapitel 9

Tipps für deine eigene Lösung

✗ So nicht (nur Text wiederholt)
„Der Autor sagt, dass Sprachnachrichten und die Bildungspolitik das Lesen gefährden. Das stimmt.“
✓ Besser (eigene Wahrnehmung)
„Dass wir lieber Sprachnachrichten schicken, erlebe ich täglich. Trotzdem lese ich durch BookTok mehr Romane als je zuvor – die Technik verdrängt das Lesen also nicht nur, sie kann es auch neu befeuern.“
Rahmen setzen
Bezugszeile, Anrede, Grußformel – nie weglassen.
Selbst Testfall sein
Deine Mediennutzung ist das beste Beispiel für Auftrag 2.
Schlagworte nutzen
„neue Technologie“ und „alte Ignoranz“ zeigen genaue Lektüre.
Roter Faden
Beobachtungen und Position müssen zusammenpassen.
Checkliste
  • Hat dein Leserbrief eine Bezugszeile/Betreff, eine Anrede und eine Grußformel?
  • Nimmst du zu Beginn klar Bezug auf den Artikel?
  • Hast du die zwei Gefährdungen („neue Technologie“, „alte Ignoranz“) knapp wiedergegeben?
  • Hast du einzelne Aussagen mit eigenen Wahrnehmungen in Beziehung gesetzt (zugestimmt/widersprochen/relativiert)?
  • Hast du deine eigene Position begründet formuliert?
  • Folgt deine Position aus deinen Beobachtungen?
  • Liegst du zwischen 270 und 330 Wörtern?
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