Textsorte Leserbrief · Maturabeispiel 2018

Leserbrief: Kunstaktion & politisches Engagement

Diese Seite begleitet dich bei der Matura-Aufgabe: einem Leserbrief an die Wochenzeitung Falter zur Kunstaktion „400 – the image behind“. Du lernst, die Aktion wiederzugeben, sie zu bewerten und deine eigene Teilnahme zu begründen – adressatengerecht und mit klarer Meinung.

📖 12. Schulstufe 🎓 Deutsch – Leserbrief 🧩 Aufgabe + Lösung verlinkt ✉️ 270–330 Wörter
Sara Ömer
Ömer

🎧 Ömer erklärt · Hör zuerst rein!

„Kunstaktion und politisches Engagement“ – Ömers Audio-Erklärung

📋

Kapitel 1

Die Aufgabenstellung richtig lesen

⚠️ Der häufigste Fehler
Ein Leserbrief ist kein Aufsatz: Er hat einen Adressaten (hier die Redaktion/Leser des Falter), verlangt Anrede und Grußformel und ist kurz (270–330 Wörter). Wer die Briefform vergisst oder ohne Bezug zum Artikel drauflosschreibt, verfehlt die Textsorte.
Offizieller Arbeitsauftrag & Situation

Situation: Du schreibst einen Leserbrief an die Wochenzeitung Falter, der einen Artikel über die Kunstaktion „400 – the image behind“ aufgreift.

  1. Geben Sie wieder, worum es bei der Kunstaktion geht.
  2. Bewerten Sie die Kunstaktion.
  3. Begründen Sie, ob Sie selbst teilnehmen würden.

Schreibe zwischen 270 und 330 Wörter – mit Anrede, klarer Gliederung und Grußformel.

1
Wiedergeben
Fasse kurz zusammen, was die Kunstaktion „400“ ist und will.
💡 Knapp – der Leser kennt den Artikel.
2
Bewerten
Beurteile die Aktion begründet – überzeugt sie dich oder nicht?
⚖️ Meinung mit Begründung.
3
Begründen
Würdest du mitmachen? Begründe deine persönliche Entscheidung.
🎯 Klar Position beziehen.
📄
Aufgabenblatt – Kunstaktion und politisches Engagement
Haupttermin 3. Mai 2018 · Deutsch · Thema 1 / Aufgabe 2 · inkl. Textbeilage
🧠
Lösungshinweise / Erwartungshorizont
Offizielle Musterlösung – Grundlage dieser Erklärung
🔍

Kapitel 2

Was ist ein Leserbrief?

Ein Leserbrief ist eine öffentliche Reaktion auf einen Zeitungsartikel. Er verbindet Sachbezug (Bezug auf den Artikel) mit eigener Meinung – und richtet sich an ein bestimmtes Publikum. Anders als eine Erörterung ist er kurz, zugespitzt und persönlich, aber trotzdem sachlich begründet.

Wichtig sind die Briefmerkmale: Betreff/Bezugszeile, Anrede, ein pointierter Hauptteil mit Argumenten und eine Grußformel. Schreibe adressatengerecht – höflich, aber klar in der Haltung.

✅ Briefform einhalten
Bezugszeile, Anrede („Sehr geehrte Redaktion,“), Grußformel.
✅ Bezug zum Artikel
Nimm zu Beginn klar auf den Artikel Bezug.
✅ Meinung + Begründung
Deine Haltung zählt – aber immer begründet.
✅ Adressatengerecht
Höflich, aber deutlich; passend zum Falter-Publikum.
✅ Kurz & pointiert
270–330 Wörter: auf den Punkt, keine Umschweife.
✅ Ich-Perspektive erlaubt
Anders als bei der Erörterung darfst du „ich“ schreiben.
Ömer

Ömer sagt:

Der Leserbrief ist deine Bühne für eine klare Meinung – aber vergiss die Verpackung nicht: Anrede oben, Grußformel unten. Diese Rahmenpunkte kosten wenig Mühe und bringen sichere Punkte. Wer sie vergisst, verschenkt sie leichtfertig.

🗂️

Kapitel 3

So baust du deinen Leserbrief auf

1
Betreff & Anrede
Bezugszeile (Titel/Datum des Artikels) und Anrede an die Redaktion.
Beispiel: Betreff: „400 – the image behind“ (Falter, …) · „Sehr geehrte Redaktion,“
2
Einstieg & Wiedergabe
Bezug auf den Artikel + kurze Wiedergabe der Kunstaktion (Auftrag 1).
3
Hauptteil – Bewertung
Deine begründete Beurteilung der Aktion (Auftrag 2).
4
Persönliche Entscheidung
Würdest du teilnehmen? Begründung (Auftrag 3).
5
Schluss & Grußformel
Pointiertes Fazit und höfliche Grußformel („Mit freundlichen Grüßen“).
📝
Wortanzahl & Form
Nur 270 bis 330 Wörter – deutlich kürzer als eine Erörterung. Halte alles kompakt und vergiss Anrede und Grußformel nicht. Eine erfundene Absender-Angabe (Name) rundet den Brief ab.
📖

Kapitel 4

Die Textbeilage im Überblick

Die Performance „400 – the image behind“ in der Wiener Glockengasse ist ein temporäres Mahnmal. Sie erinnert an die 400 Menschen, die in den ersten sechs Wochen 2016 bei der Flucht über das Mittelmeer starben.

Die Filmemacherin Lotte Schreiber und Initiator Tom K. führen die Aktion mit hunderten Freiwilligen durch. In sieben Blöcken nehmen 400 Teilnehmende Aufstellung; dann löst sich die Menge langsam auf – die Menschen „verschwinden“, bis die Straße leer ist. Zwei Kameras filmen: eine die Totale, eine die einzelnen Gesichter. Ziel: die Geflüchteten wieder als Individuen sichtbar machen, von denen in den Medien nur als Zahl die Rede ist.

Gut zu wissen – die Kernbotschaft
Der stärkste Gedanke der Aktion: Aus einer anonymen Zahl („400 Tote“) werden wieder einzelne Gesichter. Genau dieser Kontrast – Zahl vs. Individuum – ist ein hervorragender Aufhänger für deine Bewertung in Auftrag 2.
Tipp: Zitiere den Titel „400 – the image behind“ korrekt, das zeigt genaue Lektüre.
1️⃣

Kapitel 5

Arbeitsauftrag 1 – Die Kunstaktion wiedergeben

✅ So könnte deine Wiedergabe klingen
  • Die Performance „400“ ist ein temporäres Mahnmal in der Wiener Glockengasse für die 400 im Frühjahr 2016 im Mittelmeer ertrunkenen Flüchtenden.
  • 400 Freiwillige nehmen in sieben Blöcken Aufstellung und lösen sich dann langsam auf – bis die Straße leer ist.
  • Zwei Kameras filmen Totale und einzelne Gesichter, um die Toten wieder als Individuen statt als bloße Zahl zu zeigen.

Wichtig: Fasse dich kurz – die Wiedergabe ist nur der Einstieg. Der Leser kennt den Artikel; du brauchst nur die Kernpunkte.

2️⃣

Kapitel 6

Arbeitsauftrag 2 – Die Kunstaktion bewerten

Jetzt beurteilst du die Aktion – begründet. Du kannst überwiegend positiv oder kritisch sein; wichtig ist, dass du deine Sicht mit Argumenten stützt.

✓ Positiv bewerten
  • Lenkt niederschwellig Aufmerksamkeit auf ein zentrales Problem der Gegenwart.
  • Erreicht im öffentlichen Raum auch Menschen, die sich sonst nicht für Politik interessieren.
  • Aufkleber/Piktogramme („Justice Welcome“) konfrontieren nebenbei mit dem Thema Flucht.
  • Dokumentation und Medienberichte bewahren die Aktion für die Nachwelt.
✗ Kritisch bewerten
  • Eine temporäre Aktion gerät leicht wieder in Vergessenheit.
  • Piktogramme auf Auslagen wirken kaum – beim Einkaufen liegt der Fokus woanders.
  • Manche fühlen sich beim Alltag ungefragt mit dem Thema belästigt.
  • Straßensperren und Parkverbote können Anrainer verärgern.
3️⃣

Kapitel 7

Arbeitsauftrag 3 – Würdest du teilnehmen?

Zum Schluss wirst du persönlich: Würdest du selbst mitmachen? Beide Antworten sind richtig – entscheidend ist die Begründung.

Ja, ich würde teilnehmen
Besondere Erfahrung, Teil eines Kunstprojekts zu sein; aktives politisches Statement für einen menschlichen Umgang mit Flüchtenden; man erreicht Menschen, die Kunst sonst meiden.
Nein, ich würde nicht teilnehmen
Zu hoher Zeitaufwand am Wochenende für eine kurzlebige Aktion; Zweifel, ob die Botschaft ohne Erklärung ankommt; Unbehagen, gefilmt zu werden.
Verbinde es mit der Bewertung
Deine Entscheidung sollte zu deinem Urteil aus Auftrag 2 passen – dann wirkt der Brief geschlossen.
Persönlich, aber sachlich
„Ich“ ist erlaubt – bleib trotzdem höflich und nachvollziehbar.
✅ So könnte dein Schluss klingen
  • Ich halte die Aktion für ein starkes Zeichen und würde selbst teilnehmen – gerade weil sie aus einer Zahl wieder Gesichter macht und so berührt, wo Statistiken abstumpfen.
  • (Alternativ:) So sehr mich die Idee überzeugt, würde ich nicht mitmachen: Der Aufwand für eine so kurzlebige Aktion scheint mir zu groß – wirkungsvoller finde ich dauerhafte Hilfsprojekte.
Ömer

Ömer sagt:

Achte auf einen roten Faden: Wenn du die Aktion in Auftrag 2 lobst, aber in Auftrag 3 grundlos ablehnst, wirkt das widersprüchlich. Verknüpfe deine Teilnahme-Entscheidung logisch mit deiner Bewertung – dann liest sich der Brief wie aus einem Guss.

🎙️

Kapitel 8

Ömers ausführlicher Erklärungstext

Ömer erklärt – ausführlicher Sprechtext für 1.mp3

Okay, schauen wir uns diese Aufgabe in Ruhe an. Die Textsorte ist ein Leserbrief, und das ist wichtig: Ein Leserbrief ist kein Aufsatz. Er hat einen Adressaten – hier die Redaktion und die Leser der Wochenzeitung Falter – und er braucht die Briefform: eine Bezugszeile, eine Anrede und eine Grußformel. Außerdem ist er kurz, nur 270 bis 330 Wörter. Es geht um die Kunstaktion „400 – the image behind“.

Der erste Auftrag: Gib wieder, worum es bei der Kunstaktion geht. Ganz kurz: Die Performance „400“ ist ein temporäres Mahnmal in der Wiener Glockengasse. Sie erinnert an die 400 Menschen, die 2016 in den ersten sechs Wochen bei der Flucht übers Mittelmeer ertrunken sind. 400 Freiwillige stellen sich in sieben Blöcken auf und lösen sich dann langsam auf, bis die Straße leer ist. Zwei Kameras filmen – eine die ganze Szene, eine die einzelnen Gesichter. Das Ziel: aus der anonymen Zahl wieder einzelne Menschen machen. Halte das wirklich knapp, der Leser kennt ja den Artikel.

Der zweite Auftrag: Bewerte die Kunstaktion. Hier bringst du deine begründete Meinung. Für eine positive Bewertung: Die Aktion lenkt niederschwellig Aufmerksamkeit auf ein großes Problem, sie erreicht im öffentlichen Raum auch Menschen, die sich sonst nicht für Politik interessieren, und sie wird durch die Dokumentation für die Nachwelt bewahrt. Für eine kritische Bewertung: Eine temporäre Aktion ist schnell wieder vergessen, Piktogramme auf Schaufenstern wirken beim Einkaufen kaum, manche fühlen sich belästigt, und Straßensperren verärgern die Anrainer. Wähle eine Richtung und begründe sie.

Der dritte Auftrag: Begründe, ob du selbst teilnehmen würdest. Beide Antworten sind erlaubt. Für eine Teilnahme: Es ist eine besondere Erfahrung, ein aktives politisches Statement, und man erreicht Menschen, die Kunst sonst meiden. Gegen eine Teilnahme: der hohe Zeitaufwand am Wochenende für eine kurzlebige Aktion, Zweifel, ob die Botschaft ankommt, oder das Unbehagen, gefilmt zu werden. Ganz wichtig: Deine Entscheidung sollte zu deiner Bewertung aus dem zweiten Auftrag passen, damit der Brief einen roten Faden hat.

Zum Schluss der wichtigste Rat: Vergiss die Briefform nicht – Bezugszeile, Anrede, Grußformel. Schreib adressatengerecht, also höflich, aber mit klarer Meinung. Bleib bei 270 bis 330 Wörtern, also kompakt. Und sorg für einen roten Faden von der Bewertung bis zur Teilnahme-Entscheidung. Dann hast du einen starken Leserbrief.

🚀

Kapitel 9

Tipps für deine eigene Lösung

✗ So nicht (keine Briefform)
„Die Kunstaktion 400 ist gut, weil sie auf Flüchtlinge aufmerksam macht. Ich würde mitmachen.“ (ohne Anrede, ohne Bezug, ohne Gruß)
✓ Besser (echter Leserbrief)
„Sehr geehrte Redaktion, mit großem Interesse habe ich Ihren Bericht über die Aktion ‚400‘ gelesen … Aus einer Zahl werden wieder Gesichter – das berührt. Ich würde selbst teilnehmen, weil … Mit freundlichen Grüßen, …“
Rahmen setzen
Bezugszeile, Anrede, Grußformel – nie weglassen.
Kurz halten
270–330 Wörter: Wiedergabe knapp, Meinung im Zentrum.
Roter Faden
Bewertung und Teilnahme-Entscheidung müssen zusammenpassen.
Adressatengerecht
Höflich, engagiert, passend zum Falter-Publikum.
Checkliste
  • Hat dein Leserbrief eine Bezugszeile/Betreff, eine Anrede und eine Grußformel?
  • Nimmst du zu Beginn klar Bezug auf den Artikel?
  • Hast du die Kunstaktion knapp wiedergegeben?
  • Hast du sie begründet bewertet (positiv oder kritisch)?
  • Hast du deine Teilnahme-Entscheidung begründet – passend zur Bewertung?
  • Schreibst du adressatengerecht (höflich, aber mit klarer Meinung)?
  • Liegst du zwischen 270 und 330 Wörtern?
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