Kapitel 1
Die Aufgabenstellung richtig lesen
Situation: Als junge/r Erwachsene/r schreibst du einen Kommentar zum Thema Familie für eine Tageszeitung.
- Geben Sie die Position von Barbara Bleisch knapp wieder.
- Bewerten Sie diese Position (zustimmend, ablehnend oder differenziert).
- Nehmen Sie dazu Stellung, was eine gute Eltern-Kind-Beziehung ausmacht.
Schreibe zwischen 270 und 330 Wörter – mit pointiertem Titel, klarer Meinung und starkem Schluss.
Kapitel 2
Was ist ein Kommentar?
Ein Kommentar ist eine journalistische Meinungsform. Er bezieht klar Stellung – zugespitzt, pointiert und mit Haltung. Der Autor will überzeugen, darf zuspitzen und mit einer Pointe enden.
Das Thema ist heikel und emotional – gerade deshalb punktest du mit einer reflektierten, nicht reflexhaften Haltung. Als junge/r Erwachsene/r stehst du selbst zwischen Kind-Sein und Selbstständigkeit; nutze diese Perspektive. Anders als beim Leserbrief gibt es keine Briefform, dafür einen griffigen Titel.
Ömer sagt:
Bleischs stärkstes Bild: Liebe ist kein Schuldschein. Kinder haben nicht um ihr Leben „gebeten“ – also können sie es nicht „zurückzahlen“. Ob du zustimmst oder nicht: An diesem Bild musst du dich abarbeiten. Genau das macht deinen Kommentar spannend.
Kapitel 3
So baust du deinen Kommentar auf
Kapitel 4
Die Textbeilage im Überblick
Die Philosophin Barbara Bleisch fragt, ob erwachsene Kinder ihren Eltern für Leben und Erziehung Dankbarkeit und Fürsorge schulden. Ihre Antwort: Nein. Ihre Begründung: Kinder haben weder um ihre Geburt noch um ihre Erziehung gebeten.
Eine Dankbarkeitsforderung zwänge sie ungerecht in ein Schuldnerverhältnis, das gar nicht abgetragen werden kann – es fehlt der Vergleichsmaßstab. Zudem verdiene nicht jede Familie Dankbarkeit; manchmal gebe es gute Gründe für einen Kontaktabbruch. Eltern-Kind-Beziehungen müssen wie jede Beziehung gepflegt werden; Kinder als „garantierte Sozialvorsorge“ zu sehen, sei falsch.
Kapitel 5
Arbeitsauftrag 1 – Bleischs Position wiedergeben
- Bleisch vertritt die These: Kinder schulden ihren Eltern weder Dankbarkeit noch Fürsorge.
- Ihre Argumente: Die Beziehung ist keine Gläubiger-Schuldner-Beziehung – die „Schuld“ lässt sich nicht abtragen, es fehlt jeder Vergleichsmaßstab.
- Kinder wurden nicht gefragt, ob sie Leben und Erziehung wollen; und nicht jede Familie verdient Dankbarkeit.
- Selbst empfundene Dankbarkeit bedeutet nicht, dass Kinder nicht ihr eigenes Leben leben dürfen – Kinder sind keine „garantierte Sozialvorsorge“.
Wichtig: Gib die Position fair und knapp wieder – du darfst hier schon ihre Argumente nennen, sie aber noch nicht bewerten.
Kapitel 6
Arbeitsauftrag 2 – Die Position bewerten
Jetzt bewertest du – zustimmend, ablehnend oder differenziert. Wichtig: Bleischs Argumente reflektieren, nicht nur nennen.
- Kinder haben der Entscheidung, geboren zu werden, nie zugestimmt – eine Schuld daraus abzuleiten ist unfair.
- Eltern sollten selbstständige Kinder als Ziel sehen, nicht Schuldgefühle säen.
- Die Absicherung im Alter ist Aufgabe der Gesellschaft (Transferleistungen), nicht der Kinder.
- Wer selbst jahrelang unterstützt wurde, darf im Alter Hilfe erwarten – besonders in Notlagen.
- Kinder kümmern sich meist aus Liebe, nicht aus Schuld – Dankbarkeit und Solidarität sind wertvoll.
- Kinder erben und profitieren – ein Maß an Dankbarkeit ist angemessen.
Kapitel 7
Arbeitsauftrag 3 – Was macht eine gute Beziehung aus?
Jetzt wirst du konstruktiv: Wenn nicht Schuld – was trägt eine gute Eltern-Kind-Beziehung? Beziehe hier Position.
- Bleisch hat recht: Eine Beziehung, die auf Schuld gebaut ist, hält nicht. Aber eine, die auf Respekt, Freiraum und ehrlichem Interesse wächst, braucht keine Buchhaltung.
- Kinder schulden ihren Eltern nichts – aber wo eine Beziehung gelingt, geben sie freiwillig weit mehr, als jede Pflicht verlangen könnte. Und das ist unbezahlbar, weil es geschenkt ist.
Ömer sagt:
Die eleganteste Pointe versöhnt beide Seiten: Gerade weil Kinder nichts schulden, ist das, was sie freiwillig geben, so wertvoll. Wenn du zeigst, dass Freiwilligkeit mehr wiegt als Pflicht, hebst du die ganze Debatte auf eine höhere Ebene.
Kapitel 8
Ömers ausführlicher Erklärungstext
Okay, schauen wir uns diese Aufgabe in Ruhe an. Die Textsorte ist ein Kommentar, also eine Meinungsform mit klarer Haltung. Du schreibst ihn als junger Erwachsener zum Thema Familie für eine Tageszeitung. Keine Anrede, keine Grußformel, dafür ein pointierter Titel. Es geht um eine provokante These der Philosophin Barbara Bleisch: Kinder schulden ihren Eltern nichts. Ganz wichtig vorweg: Widersteh dem Reflex, das gleich empört abzulehnen – verstehe die These erst. Die Länge ist kurz, 270 bis 330 Wörter.
Der erste Auftrag: Gib Bleischs Position knapp wieder. Ihre These: Kinder schulden ihren Eltern weder Dankbarkeit noch Fürsorge. Ihre Argumente: Die Eltern-Kind-Beziehung ist keine Gläubiger-Schuldner-Beziehung, denn die Schuld lässt sich gar nicht abtragen, es fehlt der Vergleichsmaßstab. Kinder wurden nie gefragt, ob sie Leben und Erziehung wollen. Nicht jede Familie verdient Dankbarkeit. Und selbst wenn ein Kind Dankbarkeit empfindet, heißt das nicht, dass es nicht sein eigenes Leben leben darf. Kinder sind keine garantierte Sozialvorsorge. Halte das fair und knapp.
Der zweite Auftrag: Bewerte die Position. Du kannst zustimmen, ablehnen oder differenzieren – aber reflektiere die Argumente, zähl sie nicht nur auf. Für Bleisch spricht: Kinder haben ihrer Geburt nie zugestimmt, eine Schuld daraus abzuleiten ist unfair; und die Altersabsicherung ist Aufgabe der Gesellschaft, dafür gibt es ja Transferleistungen. Gegen sie spricht: Wer selbst jahrelang unterstützt wurde, darf im Alter, besonders in Notlagen, Hilfe erwarten; und Kinder kümmern sich meist aus Liebe, nicht aus Schuld. Meine Empfehlung ist die Zwischenposition: Bleischs These ist zu radikal formuliert. Trenne sauber – Dankbarkeit ist nicht dasselbe wie Schuldgefühl. Eine echte Unterstützungspflicht besteht vor allem in Notlagen und hängt von der Beziehung und den Möglichkeiten der Kinder ab.
Der dritte Auftrag: Nimm Stellung, was eine gute Eltern-Kind-Beziehung ausmacht. Jetzt wirst du konstruktiv. Wichtig sind: eine gute Gesprächsbasis und echtes Zuhören; die Anerkennung erwachsener Kinder als gleichwertige Partner, auf Augenhöhe; das Akzeptieren von Freiraum und Unabhängigkeit; und Werte wie Respekt, Vertrauen und Ehrlichkeit, dazu die Bereitschaft beider Seiten zu lebenslanger Beziehungsarbeit.
Zum Schluss der wichtigste Rat: Zeig Haltung, nutze einen pointierten Titel und ende mit einer versöhnenden Pointe. Eine schöne: Gerade weil Kinder nichts schulden, ist das, was sie freiwillig geben, so wertvoll – Freiwilligkeit wiegt mehr als Pflicht. Keine Briefform, begründet bleiben, und die 270 bis 330 Wörter einhalten. Dann hast du einen starken Kommentar.
Kapitel 9
Tipps für deine eigene Lösung
- Hat dein Kommentar einen pointierten Titel und einen Einstieg mit Haltung?
- Hast du Bleischs Position fair und knapp wiedergegeben?
- Hast du ihre These bewertet (zustimmend/ablehnend/differenziert) und die Argumente reflektiert?
- Hast du Stellung genommen, was eine gute Eltern-Kind-Beziehung ausmacht?
- Trennst du sauber zwischen Dankbarkeit und Schuldgefühl?
- Endet dein Kommentar mit einer starken Pointe?
- Liegst du zwischen 270 und 330 Wörtern – ohne Anrede/Grußformel?
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