Textsorte Erörterung · Maturabeispiel 2021

Erörterung: Konsum und Mündigkeit

Diese Seite begleitet dich bei der Matura-Erörterung zum provokanten Kommentar „Ich will Verbote!“. Du lernst, die These des Autors wiederzugeben, seine Argumente für und gegen Konsumverbote zu diskutieren und begründet Stellung zu nehmen, ob Verbote der richtige Weg sind.

📖 12. Schulstufe 🎓 Deutsch – Erörterung 🧩 Aufgabe + Lösung verlinkt 🛒 Verbote vs. Mündigkeit
Sara Ömer
Ömer

🎧 Ömer erklärt · Hör zuerst rein!

„Konsum und Mündigkeit“ erörtern – Ömers Audio-Erklärung

📋

Kapitel 1

Die Aufgabenstellung richtig lesen

⚠️ Der häufigste Fehler
Der Kommentar ist bewusst provokant und sarkastisch: „Ich will Verbote!“ ist keine harmlose Forderung. Wer den ironischen Ton übersieht, gibt die These in Auftrag 1 falsch wieder. Und in Auftrag 2 verlangt die Aufgabe ausdrücklich auch Gegenargumente – nicht nur die Sicht des Autors.
Offizieller Arbeitsauftrag

Lies den Kommentar „Ich will Verbote!“ und verfasse eine Erörterung mit diesen Arbeitsaufträgen:

  1. Geben Sie die Position des Autors wieder.
  2. Diskutieren Sie die Argumente des Autors – bringen Sie dabei auch Gegenargumente vor.
  3. Begründen Sie Ihre eigene Position: Sind Konsumverbote sinnvoll?

Schreibe zwischen 540 und 660 Wörter und markiere Absätze mittels Leerzeilen.

1
Wiedergeben
Gib die These des Autors sachlich wieder: Ohne Verbote ändern wir unser schädliches Konsumverhalten nicht.
💡 Den sarkastischen Ton mitdenken.
2
Diskutieren
Setze dich mit seinen Argumenten auseinander – und bring unbedingt auch Gegenargumente.
⚖️ Pflicht: auch die Gegenseite!
3
Begründen
Beziehe eigene Position: Verbote – ja, nein oder Zwischenweg? Begründe klar.
🎯 Mündigkeit vs. Regulierung.
📄
Aufgabenblatt – Konsum und Mündigkeit
Nebentermin 13. Jänner 2021 · Deutsch · Thema 2 / Aufgabe 1 · inkl. Textbeilage
🧠
Lösungshinweise / Erwartungshorizont
Offizielle Musterlösung – Grundlage dieser Erklärung
🔍

Kapitel 2

Was ist eine Erörterung?

Eine (textgebundene) Erörterung ist ein argumentierender Text: Du setzt dich auf Basis einer Textbeilage sachlich mit einer Frage auseinander. Der Kern ist das Argument – bestehend aus Behauptung, Begründung und Beleg/Beispiel.

Hier ist die Beilage ein Kommentar – also selbst schon meinungsstark und zugespitzt. Deine Aufgabe: die These sauber wiedergeben (inkl. Ironie erkennen), sie fair diskutieren und begründet Position beziehen. Schreibe sachlich, im Präsens.

✅ Sachlich & im Präsens
„Der Autor fordert …“, „Dafür spricht …“, „Dagegen spricht …“.
✅ Vollständige Argumente
Behauptung → Begründung → Beleg/Beispiel. Nie nur behaupten.
✅ Ton erkennen
Der Kommentar ist sarkastisch – das gehört in die Wiedergabe.
✅ Gegenargumente Pflicht
Auftrag 2 verlangt ausdrücklich auch die Gegenseite.
✅ Struktur zeigen
„einerseits – andererseits“, „zudem“, „dennoch“.
✅ Klare Position
Am Ende begründet: für Verbote, dagegen – oder ein Mittelweg.
Ömer

Ömer sagt:

Achte auf den doppelten Boden: Der Autor sagt „Ich will Verbote!“ und meint damit auch eine bequeme Ausrede – dann müssten wir kein schlechtes Gewissen mehr haben. Wenn du diesen Sarkasmus erkennst und benennst, zeigst du echtes Textverständnis.

🗂️

Kapitel 3

So baust du deine Erörterung auf

1
Einleitung
Führe zum Thema hin und nenne die Textbeilage (Kommentar zu Konsum und Verboten).
Beispiel: „Ich will Verbote!“ – mit dieser provokanten Forderung stellt der Kommentar die Frage, ob wir unseren Konsum nur noch durch Zwang in den Griff bekommen.
2
Hauptteil A – Wiedergabe
Position und Argumente des Autors (Auftrag 1).
3
Hauptteil B – Diskussion
Argumente des Autors prüfen und Gegenargumente bringen (Auftrag 2).
4
Hauptteil C / Schluss – Begründung
Eigene Position zu Konsumverboten (Auftrag 3).
📝
Wortanzahl & Absätze
Verlangt sind 540 bis 660 Wörter für drei Arbeitsaufträge. Markiere Absätze mit Leerzeilen. Halte die Wiedergabe knapp – der Schwerpunkt liegt auf Diskussion und Begründung.
📖

Kapitel 4

Die Textbeilage im Überblick

Der Kommentar „Ich will Verbote!“ geht davon aus, dass wir den Mechanismen der Konsumgesellschaft nicht widerstehen können. Angesichts der Folgen für die Weltbevölkerung und kommende Generationen hält der Autor eine Einschränkung unseres rücksichtslosen Konsums nur durch klare Verbote für machbar.

Mit sarkastischem Unterton behauptet er, dass wir uns solche Verbote sogar wünschen: Dann nämlich müsste niemand mehr ein schlechtes Gewissen wegen Umweltverschmutzung und Wegwerfmentalität haben – eine übergeordnete Autorität nimmt uns die schweren Entscheidungen ab. Sein pointierter Schluss: Durch Verbote würden wir uns sogar freier fühlen.

Gut zu wissen – der Titel „Konsum und Mündigkeit“
Der Aufgabentitel verrät das eigentliche Spannungsfeld: Mündigkeit. Traut man dem Menschen zu, sein Verhalten selbst vernünftig zu steuern? Der Autor verneint das – und genau hier setzt die Gegenseite an: Verbote unterstellen ein negatives, „unmündiges“ Menschenbild.
Tipp: Das Stichwort „Mündigkeit“ ist der Schlüssel zu deinen Gegenargumenten in Auftrag 2.
1️⃣

Kapitel 5

Arbeitsauftrag 1 – Die Position des Autors

✅ So könnte deine Wiedergabe klingen
  • Der Autor behauptet: Wir konsumieren aus Bequemlichkeit, aus vermeintlichem Bedarf und wegen des sozialen Umfelds viel mehr, als wir brauchen – und schaden damit uns, den Mitmenschen und den Nachkommen.
  • Da freiwillige Beschränkung und Appelle „nichts gebracht“ haben, müsse die Regierung zu nachhaltigem Verhalten zwingen: Ohne Verbote sei die Welt nicht zu retten.
  • Verbote befreien uns sogar – vom schlechten Gewissen und (sarkastisch) von der Last der Entscheidung. Die Wirtschaft breche deshalb nicht zusammen, und die Konsumeinschränkung beschneide nicht die politische Freiheit.

Wichtig: Hier referierst du nur die Position des Autors – und erwähnst, dass sein Ton bewusst zugespitzt und ironisch ist.

2️⃣

Kapitel 6

Arbeitsauftrag 2 – Argumente diskutieren

Setze dich mit den Argumenten des Autors auseinander. Du darfst ihn stützen – musst aber auch Gegenargumente bringen. Das ist hier ausdrücklich verlangt.

✓ Für Verbote (mit dem Autor)
  • Appelle allein wirken nicht – der Earth Overshoot Day rückt immer weiter vor.
  • Bequemlichkeit und Gruppendruck verhindern nachhaltiges Verhalten trotz besserer Einsicht.
  • Verbote schaffen faire, gleiche Regeln für alle und die Wirtschaft bricht nicht zusammen.
✗ Gegen Verbote (Pflicht!)
  • Der Mensch kann Verantwortung übernehmen – Fridays for Future, Bio-/Fairtrade-Kauf, Öffis zeigen Umdenken auch ohne Zwang.
  • Verbote reizen zur Übertretung und sind schwächer als innere Überzeugung.
  • Besser: Überzeugungsarbeit und Bildung – Erziehung zu kritischen Konsumenten.
  • Verbote untergraben Mündigkeit; Demokratie braucht eigenverantwortliche Bürger. Gefahr der Überregulierung.
3️⃣

Kapitel 7

Arbeitsauftrag 3 – Deine Position

Jetzt begründest du deine eigene Haltung: Zustimmung, Ablehnung oder eine Zwischenposition. Alle drei sind zulässig – entscheidend ist die Begründung.

Zustimmung
Die „Freiheit“ zu konsumieren ist gar keine – wir sind Zwängen und Moden ausgeliefert. Erst die Befreiung davon macht wirklich frei; Vernunft allein zügelt Wünsche nicht.
Ablehnung
Hinter Verboten steckt ein negatives Menschenbild. Der Mensch ist mündig, kann widerstehen und lernen – Verbote verhindern selbstständiges Denken.
Zwischenposition
Manchmal sind Verbote sinnvoll, aber nicht pauschal. Alternativen wie „Nudging“ oder ein CO₂-Guthaben lenken Verhalten, ohne zu bevormunden.
Egal welche – begründen!
Nicht die Wahl zählt, sondern wie überzeugend du sie mit Argumenten stützt.
✅ So könnte dein Fazit klingen
  • Der Autor hat recht, dass Appelle allein die Konsumkrise nicht lösen – doch flächendeckende Verbote entmündigen die Menschen und schwächen genau die Eigenverantwortung, die eine Demokratie braucht.
  • Überzeugender ist ein Mittelweg: gezielte Verbote dort, wo es ums Ganze geht, kombiniert mit Bildung und cleveren Anreizen wie „Nudging“ oder einem CO₂-Budget. So bleibt der Mensch mündig – und handelt trotzdem nachhaltiger.
Ömer

Ömer sagt:

Das philosophische Herz der Aufgabe ist das Menschenbild: Ist der Mensch ein schwaches Wesen, das man zwingen muss – oder ein mündiges, das man überzeugen kann? Nimm dazu klar Stellung, dann hat dein Fazit Tiefe.

🎙️

Kapitel 8

Ömers ausführlicher Erklärungstext

Ömer erklärt – ausführlicher Sprechtext für 1.mp3

Okay, schauen wir uns diese Aufgabe in Ruhe an. Die Textsorte ist eine Erörterung, mit drei Arbeitsaufträgen. Das Thema ist Konsum und Mündigkeit, und die Textbeilage ist ein Kommentar mit dem provokanten Titel „Ich will Verbote!“. Ganz wichtig vorweg: Dieser Kommentar ist bewusst sarkastisch. Der Autor fordert Verbote nicht nur ernst, sondern hält uns auch einen Spiegel vor – nach dem Motto: Dann müssen wir wenigstens kein schlechtes Gewissen mehr haben. Wenn du diesen Ton erkennst, gibst du die These richtig wieder.

Der erste Auftrag: Gib die Position des Autors wieder. Sein Kern: Wir konsumieren viel mehr, als wir brauchen – aus Bequemlichkeit, aus falschem Bedarfsdenken und weil die anderen es auch tun. Damit schaden wir uns selbst, den Mitmenschen und den Nachkommen. Freiwillige Beschränkung und Appelle haben nichts gebracht, also muss die Regierung uns zu nachhaltigem Verhalten zwingen. Ohne Verbote, sagt er, ist die Welt nicht zu retten. Und dann die sarkastische Pointe: Verbote befreien uns – vom schlechten Gewissen und von der Last der Entscheidung, wir würden uns dadurch sogar freier fühlen. Halte das knapp und erwähne den ironischen Ton.

Der zweite Auftrag: Diskutiere seine Argumente – und ganz wichtig, hier musst du unbedingt auch Gegenargumente bringen. Für den Autor spricht: Appelle wirken nachweislich nicht, der Earth Overshoot Day rückt immer weiter vor; Bequemlichkeit und Gruppendruck verhindern nachhaltiges Handeln trotz Einsicht. Gegen ihn spricht: Der Mensch kann sehr wohl Verantwortung übernehmen – schau dir Fridays for Future an, den bewussten Kauf von Bio- und Fairtrade-Produkten, die stärkere Nutzung von Öffis. Verbote reizen außerdem zur Übertretung und sind schwächer als eine innere Überzeugung. Besser wäre Überzeugungsarbeit und Bildung. Und das stärkste Gegenargument: Verbote untergraben die Mündigkeit, aber eine Demokratie braucht eigenverantwortliche Bürger.

Der dritte Auftrag: Begründe deine eigene Position. Du kannst zustimmen, ablehnen oder einen Mittelweg wählen. Bei Zustimmung: Unsere Konsumfreiheit ist eigentlich keine echte Freiheit, weil wir Zwängen und Moden ausgeliefert sind – erst die Befreiung davon macht uns wirklich frei. Bei Ablehnung: Hinter Verboten steckt ein negatives Menschenbild, der Mensch ist mündig und kann lernen. Meine Empfehlung ist der Mittelweg: gezielte Verbote nur dort, wo es ums Ganze geht, kombiniert mit Bildung und cleveren Anreizen wie Nudging oder einem CO2-Guthaben. So bleibt der Mensch mündig und handelt trotzdem nachhaltiger.

Zum Schluss der wichtigste Rat: drei Schritte, 540 bis 660 Wörter. Halte die Wiedergabe kurz, diskutiere fair mit Pro und Kontra, und nimm am Ende klar Stellung. Das philosophische Herz ist das Menschenbild – schwach und zu zwingen oder mündig und zu überzeugen? Schreib sachlich und im Präsens. Dann hast du eine starke Erörterung.

🚀

Kapitel 9

Tipps für deine eigene Lösung

✗ So nicht (Ton übersehen, nur eine Seite)
„Der Autor will Verbote, weil die Umwelt kaputtgeht. Das finde ich auch richtig.“
✓ Besser (Ironie + beide Seiten)
„Der Autor fordert – halb ernst, halb sarkastisch – Verbote, weil Appelle versagen. Dagegen spricht jedoch, dass Bewegungen wie Fridays for Future zeigen: Menschen ändern ihr Verhalten auch aus Überzeugung, ganz ohne Zwang.“
Sarkasmus erkennen
Der Titel „Ich will Verbote!“ ist provokant gemeint – benenne das.
Gegenargumente Pflicht
Auftrag 2 fordert ausdrücklich die Gegenseite.
Stichwort Mündigkeit
Der Schlüsselbegriff für deine Gegenargumente.
Alternativen nennen
Nudging, CO₂-Budget, Bildung – zeigt Lösungskompetenz.
Checkliste
  • Beginnt deine Erörterung mit einer Einleitung, die zum Thema hinführt und den Kommentar nennt?
  • Hast du die Position des Autors wiedergegeben – inklusive seines sarkastischen Tons?
  • Hast du seine Argumente diskutiert UND (Pflicht!) Gegenargumente gebracht?
  • Sind deine Argumente nach dem Schema Behauptung – Begründung – Beleg aufgebaut?
  • Hast du zur Frage der Konsumverbote klar und begründet Stellung genommen?
  • Hast du das Spannungsfeld Verbot vs. Mündigkeit herausgearbeitet?
  • Liegst du zwischen 540 und 660 Wörtern und sind die Absätze mit Leerzeilen markiert?
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