Textsorten by Sara · Kombi-Arbeitsblatt

Bericht & Leserbrief
– alles was du wissen musst

Begleitwebsite zum Kombinationsarbeitsblatt für die 1. und 2. Klasse. Ömer und Sara erklären dir Satzglieder, Adjektivsteigerung, den Unterschied zwischen Bericht und Reportage – und wie du einen perfekten Einstieg schreibst.

📰 1. Klasse – Bericht ✉️ 2. Klasse – Leserbrief 🎓 Deutsch – Textsorten 🧩 Ergänzung zum Arbeitsblatt
Sara Ömer
📰 1. Klasse
Du arbeitest mit dem Bericht
Bearbeite alle Aufgaben, die mit „Bericht" oder „Gemeinsam" markiert sind. Die Kapitel 1–3 und 4 sind für dich.
✉️ 2. Klasse
Du arbeitest mit dem Leserbrief
Bearbeite alle Aufgaben, die mit „Leserbrief" oder „Gemeinsam" markiert sind. Die Kapitel 1–3 und 5 sind für dich.
Ömer

🎧 Ömer erklärt · Hör zuerst rein!

Bericht, Leserbrief & Satzglieder – Ömers Audio-Einführung

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Kapitel 1 · Gemeinsam

Bericht vs. Reportage – Was ist der Unterschied?

👥 Beide Klassen

Beides sind journalistische Textsorten – aber sie haben einen wichtigen Unterschied: die Perspektive. Ein Bericht ist sachlich und neutral. Eine Reportage ist persönlich und lebendig.

Merkmal Bericht Reportage
Sprachesachlich, neutral, keine Meinungensubjektiv, lebendig, persönlich
Ich-Form?nein – niemalsja, oft
Meinung des Autors?neinja
Zielinformiereninformieren & erleben lassen
Typisch für…Tageszeitung, Schule, BehördenMagazin, Fernsehen, Reisebericht
ZeitformVergangenheit (Präteritum)oft Präsens (erzählendes Präsens)
✗ Reportage-Stil (nicht für Bericht!)
„Ich stehe vor dem brennenden Haus und spüre die Hitze in meinem Gesicht. Die Menschen um mich herum wirken geschockt und verängstigt."
✓ Bericht-Stil (sachlich, korrekt)
„Am Dienstagabend brach in einem Wohnhaus in der Favoritenstraße ein Brand aus. Die Feuerwehr konnte das Feuer nach 40 Minuten löschen."
Ömer

Ömer sagt:

Kurze Eselsbrücke: Beim Bericht fragst du dich immer – „Könnte das auch eine Polizeimeldung sein?" Wenn ja, dann ist es ein Bericht. Wenn du denkst „Das klingt wie ein Roman" – dann ist es eine Reportage. Einfach, oder?

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Kapitel 2 · Gemeinsam

Satzglieder – Fokus: Adverbiale Ergänzungen

👥 Beide Klassen

Ein Satz besteht aus verschiedenen Teilen – den Satzgliedern. Das wichtigste Satzglied ist das Prädikat (das Verb). Dann gibt es das Subjekt (wer macht es?) und Ergänzungen, die mehr Informationen geben.

Die adverbialen Ergänzungen (auch: Umstandsergänzungen) sind besonders wichtig – sie antworten auf die klassischen Journalist-Fragen!

🕐
Temporal – Wann?
Antwortet auf die Frage Wann?
Beispiel: „Am Dienstag", „gestern", „um 21 Uhr", „letzte Woche"
📍
Lokal – Wo?
Antwortet auf die Frage Wo? Wohin? Woher?
Beispiel: „in Wien", „auf dem Marktplatz", „im Stadion"
⚙️
Modal – Wie?
Antwortet auf die Frage Wie? Womit? Auf welche Weise?
Beispiel: „schnell", „sorgfältig", „mit dem Auto"
Kausal – Warum?
Antwortet auf die Frage Warum? Weshalb? Weswegen?
Beispiel: „wegen des Schneefalls", „aufgrund des Unfalls"

Wie erkennst du adverbiale Satzglieder?

1
Finde das Prädikat (Verb)
Das Prädikat ist immer der erste Schritt. Es ist das „Herzstück" des Satzes.
💡 Beispiel: „Die Feuerwehr rückte sofort aus." → rückte aus = Prädikat
2
Stelle die W-Fragen
Frage: Wann? Wo? Wie? Warum? Wenn du eine Antwort findest, ist das ein adverbiales Satzglied.
💡 „Wann rückte die Feuerwehr aus?" → „sofort" = temporale Ergänzung
3
Verschiebe das Satzglied
Adverbiale Satzglieder kannst du an verschiedene Stellen im Satz verschieben – der Satz bleibt sinnvoll!
💡 „Sofort rückte die Feuerwehr aus." → funktioniert → adverbiale Ergänzung ✓
SatzAdverbiale ErgänzungTyp
Am Dienstag brach ein Feuer aus.Am Dienstagtemporal (Wann?)
In Wien wurde ein Unfall gemeldet.In Wienlokal (Wo?)
Die Schüler pflanzten sorgfältig Bäume.sorgfältigmodal (Wie?)
Wegen des Schneefalls war die Straße gesperrt.Wegen des Schneefallskausal (Warum?)
Die Delegation besuchte die HTL Wien 10.die HTL Wien 10lokal (Wo?)
💡
Merkregel: Die 4 W-Fragen der Adverbiale
Wann? → temporal  |  Wo? → lokal  |  Wie? → modal  |  Warum? → kausal
Diese vier Typen kommen in der Matura und im Schulalltag immer wieder vor!
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Kapitel 3 · Gemeinsam

Adjektive – Steigerungsformen (Komparation)

👥 Beide Klassen

Adjektive beschreiben, wie etwas ist. Sie können gesteigert werden – das heißt, man kann ausdrücken, dass etwas mehr oder am meisten von einer Eigenschaft hat.

Die drei Stufen der Steigerung
Positiv → Grundform: schnell, gut, schön
Komparativ → Vergleichsform (+er): schneller, besser, schöner
Superlativ → Höchstform (am …sten): am schnellsten, am besten, am schönsten
Merksatz: „Klein → kleiner → am kleinsten" – wie eine Treppe nach oben!

Regelmäßige und unregelmäßige Formen

PositivKomparativSuperlativBesonderheit
schnellschnelleram schnellstenregelmäßig
großgrößeram größtenUmlaut (o→ö)
altälteram ältestenUmlaut (a→ä) + e
gutbesseram bestenunregelmäßig – auswendig lernen!
vielmehram meistenunregelmäßig – auswendig lernen!
gernlieberam liebstenunregelmäßig – auswendig lernen!
hochhöheram höchstenUmlaut + Lautwechsel
nahnäheram nächstenunregelmäßig
Typische Fehler bei der Steigerung

Doppelsteigerung: „mehr besser" – FALSCH! Nur eine Form, nicht zwei kombinieren.

Falsche Umlautbildung: „groß → grosser" – FALSCH! Es muss „größer" heißen.

Unregelmäßige Form vergessen: „gut → guter" – FALSCH! Es muss „besser" heißen.

Merkhilfe: Schreibe die 3 unregelmäßigen Formen (gut/viel/gern) auf ein Post-it und lerne sie!
gut – besser – am besten
viel – mehr – am meisten
gern – lieber – am liebsten
Komparativ im Satz – wie verwendet man ihn?

Der Komparativ wird für Vergleiche verwendet. Das Vergleichswort ist als (nicht „wie"!).

✓ „Der Bericht ist kürzer als die Reportage."
✗ „Der Bericht ist kürzer wie die Reportage." → falsch! „wie" ist für Gleichheit: „so groß wie"
Ömer

Ömer sagt:

Bei Adjektiven mit Umlaut – also a→ä, o→ö, u→ü – gilt: Je kürzer das Adjektiv, desto wahrscheinlicher gibt es einen Umlaut. „Alt", „kalt", „warm", „groß", „jung", „lang" – die alle kriegen im Komparativ einen Umlaut. Einfach laut sagen, dann hörst du, ob es sich richtig anhört!

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Kapitel 4 · Nur 1. Klasse

Der Einstieg in den Bericht

📰 Nur 1. Klasse

Der Einstieg ist der wichtigste Teil eines Berichts. Er muss sofort informieren – ohne Spannung aufzubauen, ohne Meinung, ohne Überraschungen. Nur Fakten!

Die Formel für den Bericht-Einstieg
Ein guter Einstiegssatz beantwortet mindestens 3 der 5 W-Fragen:

WAS? (Was ist passiert?) + WO? (Wo?) + WANN? (Wann?)
Optional: WER? + WIE?
Beispiel: „Am Dienstagabend brach in einem Supermarkt in der Wiener Innenstadt ein Feuer aus."
→ WANN? (Am Dienstagabend) + WO? (in der Wiener Innenstadt) + WAS? (brach ein Feuer aus) ✓

Was gehört NICHT in den Bericht-Einstieg?

Meinungen und Gefühle

Ein Bericht ist neutral. Der Autor hat keine Meinung – zumindest schreibt er sie nicht auf.

✗ „Es war ein schreckliches Feuer, das alle erschreckte." (Meinung/Gefühl)
✓ „Ein Feuer verursachte erheblichen Sachschaden." (neutral/sachlich)
Ich-Form und direkte Rede des Autors

Niemals „Ich" in einem Bericht! Der Autor ist unsichtbar.

✗ „Ich habe beobachtet, dass das Feuer um 22 Uhr ausbrach."
✓ „Das Feuer brach um 22 Uhr aus."
Dramatische Zuspitzungen und Spannung

Keine Cliffhanger, keine Spannung – der Bericht sagt sofort was passiert ist.

✗ „Was dann passierte, war unglaublich…"
✓ „Am Montag gewann Österreich das Spiel gegen Deutschland mit 2:1."

Die 5 W-Fragen – Checkliste für Berichte

W-FrageBedeutungBeispiel
WAS?Was ist passiert?brach ein Feuer aus
WO?Wo ist es passiert?in der Wiener Innenstadt
WANN?Wann ist es passiert?Am Dienstagabend
WER?Wer ist beteiligt?die Feuerwehr, Passanten
WIE?Wie ist es passiert?durch einen technischen Defekt
✉️

Kapitel 5 · Nur 2. Klasse

Der Einstieg in den Leserbrief

✉️ Nur 2. Klasse

Der Leserbrief ist das Gegenteil des Berichts: Hier darfst und sollst du eine eigene Meinung haben! Der Einstieg muss sofort zeigen, warum du schreibst und was du denkst.

Aufbau des Leserbriefs
1. Einstieg: Bezug auf das Thema/den Artikel + deine Position
2. Argument 1 mit Begründung und Beispiel
3. Argument 2 mit Begründung und Beispiel
4. Gegenargument entkräften (optional, aber Pluspunkte!)
5. Schluss: Forderung oder Appell an die Leser/Redaktion
Wichtig: Am Anfang steht immer eine Anrede: „Sehr geehrte Damen und Herren," oder „Sehr geehrte Redaktion,"

Mustereinstiege für den Leserbrief

Bezug auf einen Artikel

Wenn du auf einen konkreten Artikel reagierst, nenne ihn direkt.

„Ich schreibe Ihnen bezüglich Ihres Artikels vom [Datum] über [Thema]. Ich möchte darauf hinweisen, dass ich dieser Einschätzung nicht zustimmen kann, weil…"
Einsteigen mit einer Frage

Eine rhetorische Frage am Anfang zieht den Leser sofort in deine Argumentation hinein.

„Warum dürfen Schülerinnen und Schüler nicht mitbestimmen, welche Regeln in ihrer Schule gelten? Als Schüler der HTL Wien 10 finde ich es wichtig, dass…"
Einsteigen mit einem persönlichen Erlebnis

Ein konkretes Erlebnis macht deine Position glaubwürdiger und persönlicher.

„Als Schülerin, die täglich zwei Stunden mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist, möchte ich auf ein Problem aufmerksam machen, das mich und viele meiner Mitschülerinnen täglich betrifft…"
✗ Kein guter Leserbrief-Einstieg
„Am Montag wurde in Wien eine neue Maßnahme eingeführt. Die Behörden teilten mit, dass…"
(Das ist ein Bericht-Stil – keine Position, keine Meinung!)
✓ Guter Leserbrief-Einstieg
„Ich schreibe Ihnen, weil ich mit der neuen Maßnahme absolut nicht einverstanden bin. Als Betroffene möchte ich zeigen, warum diese Entscheidung falsch ist."
Ömer

Ömer sagt:

Der Leserbrief ist eigentlich cool – da darfst du mal richtig sagen, was du denkst! Aber: Argumente, keine Beleidigungen. „Das ist dumm" = kein Argument. „Das ist falsch, weil die Studie zeigt, dass…" = gutes Argument. Der Unterschied macht die Note!

🚀

Kapitel 6 · Für alle

Tipps & Checkliste

📋
Aufgabe zuerst lesen!
Lies die Aufgabenstellung immer 2× bevor du anfängst. Unterstreiche Schlüsselwörter.
Zeit einteilen
Gemeinsamer Teil: ~40 Min. Klassenteil (Bericht oder Leserbrief): ~60 Min. Lass dir Zeit beim Planen!
🧠
Erst planen, dann schreiben
5 Minuten Planung sparen 20 Minuten Chaos. Stichpunkte vor dem Schreiben!
✏️
Vergangenheitsform im Bericht
Berichte stehen immer in der Vergangenheit: „brach aus", „wurde gerettet", „fand statt" – nie Präsens!
🎯
Position im Leserbrief
Deine Meinung muss sofort klar sein. Nie auf Seite 2 erst sagen was du denkst – das gehört in den ersten Satz!
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Korrekturlesen
Lies deinen Text nach dem Schreiben nochmal durch. Suche gezielt nach Fehlern bei Adjektivsteigerung und Adverbialen.
Checkliste Bericht (1. Klasse)
  • Alle 5 W-Fragen beantwortet?
  • Sachlich geschrieben – keine Meinung, keine Ich-Form?
  • Vergangenheitsform (Präteritum) durchgehend verwendet?
  • Einstieg: Wann? + Was? + Wo? im ersten Satz?
  • Keine dramatischen Formulierungen oder Spannung?
Checkliste Leserbrief (2. Klasse)
  • Anrede am Anfang (Sehr geehrte Damen und Herren)?
  • Bezug auf ein Thema oder einen Artikel?
  • Eigene Position sofort klar?
  • Mindestens 2 Argumente mit Begründung?
  • Forderung oder Appell am Schluss?
  • Grußformel am Ende?
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