Textsorten by Sara · Ömers Team

Den Kommentar
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Vollständige Anleitung zur Textsorte Kommentar – mit Textbausteinen, Ironie-Übungen, Kurzssatz-Training und der kompletten Matura-Aufgabe vom 21. September 2022.

10.–13. Schulstufe Maturavorbereitung Deutsch AHS/BHS 270–330 Wörter
Auf dieser Seite
  • Definition & Merkmale des Kommentars
  • Vollständige Aufbaustruktur (5 Abschnitte)
  • Textbausteine & Formulierungshilfen
  • Übung: Kurze Sätze einsetzen
  • Was ist Ironie? + interaktive Übungen
  • Echte Matura-Aufgabe mit Musterlösung
  • Interaktive Checkliste
📰

Teil 1

Was ist ein Kommentar?

Definition

Ein Kommentar ist eine meinungsbetonte Textsorte. Die Autorin oder der Autor nimmt klar Stellung zu einem Thema, begründet die eigene Position und will die Lesenden überzeugen.

Anders als ein Bericht ist der Kommentar ausdrücklich parteiisch – er vertritt eine klare Haltung und scheut sich nicht davor, unbequeme Wahrheiten auszusprechen.

Merkmale auf einen Blick

These: Eine klare, vertretbare Meinung – direkt im Einstieg.

Argumentation: Mindestens 2–3 Gründe, warum die These stimmt.

Bewertung: Keine neutrale Berichterstattung – du positionierst dich!

Stil: Sachlich, aber pointiert – oft mit rhetorischen Mitteln (Ironie, kurze Sätze).

Titel: Fasst die eigene Haltung oder das Thema prägnant zusammen.

Kommentar vs. Bericht vs. Blogeintrag

Bericht: sachlich · neutral · keine Wertung · W-Fragen · Präteritum/Perfekt

Blogeintrag: persönlich · informell · eigene Meinung erlaubt · Leseransprache · lockere Sprache

Kommentar: meinungsbetont · argumentativ · pointiert · klar positioniert · überzeugend · formell

Exklusiv auf der Webseite: Schreibhandlungen der Matura

Laut Matura-Bewertungsschema erfüllt ein guter Kommentar drei Schreibhandlungen:

Argumentation: Du begründest, warum du etwas so siehst.

Deskription / Rekapitulation: Du gibst kurz wieder, worum es im Ausgangstext geht.

Evaluation: Du bewertest Ideen, Konzepte oder Positionen aus dem Ausgangstext.

Diese drei Schreibhandlungen entsprechen den drei Arbeitsaufträgen der Matura-Aufgabe.

🏗️

Teil 2

Aufbau des Kommentars

Ein guter Kommentar hat eine klare Struktur. Jeder Abschnitt hat eine eigene Funktion – und einen Leerzeilen-Absatz dazwischen.

Abschnitt Inhalt & Funktion Wichtiger Hinweis
1. Einleitung
Titel + Hook
Zieht die Lesenden sofort in den Text. Enthält eine These oder provokante Frage, einen überraschenden Einstieg oder ein aktuelles Beispiel. Kein langer Einstieg – in 2–4 Sätzen zur These kommen!
2. Hauptteil A
Wiedergabe
Gibt kurz und sachlich wieder, worum es geht – Anlass, Situation, Kernaussage(n) des Ausgangstextes. Hier ist KEINE eigene Meinung angebracht. Nicht zu ausführlich! Nur so viel, dass Lesende ohne Ausgangstext verstehen.
3. Hauptteil B
Argumentation
Das Herzstück: Du begründest deine Position mit mindestens 2–3 Argumenten. Jedes Argument wird mit Beispiel oder Beleg gestützt. Gegenargumente kurz nennen und entkräften. Pro–Kontra-Struktur zeigt Tiefe. Nie ohne Beleg argumentieren!
4. Hauptteil C
Stellungnahme
Hier nimmst du klar Stellung zur Ausgangsfrage. Was ist deine persönliche Einschätzung? Wie bewertest du das Thema insgesamt? Mut zur klaren Haltung! Wer keine Meinung hat, schreibt keinen Kommentar.
5. Schluss
Fazit / Appell
Bringt den Text zu einem pointierten Ende. Kein neues Thema! Oft mit Appell, Ausblick oder einer rhetorischen Frage. Der letzte Satz bleibt im Kopf. Invest ihn weise.
Wichtig für die Matura: Arbeitsaufträge erfüllen

An der Matura gibt es meist 3 Arbeitsaufträge. Achte darauf, dass du alle bearbeitest:

→ Auftrag 1 (wiedergeben) → Hauptteil A

→ Auftrag 2 (bewerten) → Hauptteil B

→ Auftrag 3 (Stellung nehmen) → Hauptteil C

Absätze: Leerzeile zwischen den Abschnitten – kein Einzug!  |  Wortanzahl: exakt einhalten.

Exklusiv: Wie du deinen Titel findest

Ein guter Kommentar-Titel hat eine von drei Funktionen:

These als Titel: „Digitalisierung rettet Museen – aber nur, wenn sie es richtig machen."

Provokante Frage: „Brauchen Museen ein Instagram-Konto, um zu überleben?"

Schlagzeilen-Stil: „Kunst für alle – oder Kunst für niemanden?"

Schreibe den Titel erst zum Schluss. Dann weißt du wirklich, worum dein Kommentar geht.

🧱

Teil 3

Textbausteine – Formulierungshilfen

Diese Phrasen helfen dir, deinen Kommentar sprachlich zu gestalten. Nutze sie als Inspiration – nicht als Schablone! Passe sie an deinen eigenen Stil an.

🎯 Einstieg / Hook
Provokativer Einstieg
Wer glaubt, Museen seien verstaubte Orte für Kunstliebhaber, liegt falsch – zumindest in Zukunft.
Rhetorische Frage
Kann ein Smartphone das Museum retten? Die Frage klingt absurd – und ist es vielleicht auch nicht.
Aktueller Bezug
In Zeiten, in denen alles digital erreichbar ist, stehen auch Museen vor einer grundlegenden Frage.
Steile These
Museen, die nicht digitalisieren, werden bald leere Säle präsentieren.
📋 Inhalt wiedergeben (Arbeitsauftrag 1)
Bericht einleiten
Der Bericht von Jonas Wydler thematisiert …
Möglichkeiten nennen
Wie der Bericht zeigt, bietet die Digitalisierung Museen zahlreiche Möglichkeiten: …
Beispiel einbinden
Als Beispiel führt Wydler das Kunstmuseum Luzern an, das …
Kernaussage nennen
Im Kern argumentiert der Text, dass digitale Zugänge …
💡 Bewerten & Argumentieren (Arbeitsauftrag 2)
These aufstellen
Die Digitalisierung von Museen ist nicht nur sinnvoll, sondern notwendig.
Argument einleiten
Dafür spricht vor allem, dass …
Beispiel anfügen
Konkret zeigt sich dies am …
Gegenargument
Freilich lässt sich einwenden, dass …
Entkräften
Dennoch überwiegt …, weil …
Bewertung
Insgesamt ist die Idee positiv zu bewerten, da …
🗣️ Stellung nehmen (Arbeitsauftrag 3)
Persönliche Position
Meiner Einschätzung nach …
Junge Menschen
Gerade junge Menschen, die täglich mit digitalen Medien aufwachsen, …
Kritische Einschätzung
Es wäre jedoch naiv zu glauben, dass …
Differenzierung
Entscheidend ist dabei, ob … oder ob …
✅ Schluss / Fazit
Fazit einleiten
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass …
Appell
Es liegt an den Museen selbst, …
Rhetorische Schlussfrage
Oder sollen wir wirklich darauf warten, bis die letzte Besucherin das Museum verlässt?
Ausblick
Wie Museen diese Herausforderung meistern, wird zeigen, ob …
Exklusiv: Konjunktionen für komplexe Argumente

Um Argumente wirkungsvoll zu verknüpfen, brauchst du die richtigen Konjunktionen:

Begründen: denn · weil · da · zumal · nicht zuletzt deshalb, weil

Einräumen / Einschränken: zwar … aber · einerseits … andererseits · freilich · mag sein, dass … doch

Schluss ziehen: folglich · daher · deshalb · demzufolge · somit

Steigern: darüber hinaus · überdies · nicht nur … sondern auch

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Teil 4 · Übung

Kurze Sätze – Präzision und Wirkung

Warum kurze Sätze?

Im Kommentar gilt: Kurze Sätze wirken kraftvoll. Sie setzen Akzente. Sie unterstreichen eine Aussage.

Lange Schachtelsätze verwirren die Lesenden und schwächen die Argumentation. Ein kurzer, pointierter Satz bleibt im Gedächtnis – ein langer geht unter.

Faustregel: Wechsle zwischen kurzen und langen Sätzen. Setze den kurzen Satz dort ein, wo du Nachdruck erzeugen willst.

❌ Langer Satz (schwach)

Die Digitalisierung, die in den letzten Jahren in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens Einzug gehalten hat, bietet auch Museen die Möglichkeit, ihre Sammlungen einem breiteren Publikum zugänglich zu machen.

✓ Kurze Sätze (stark)

Die Digitalisierung ist überall. Auch Museen müssen mitziehen. Die Frage ist nur: wie.

Kürzen-Trick in 3 Schritten

Schritt 1: Streiche alle Relativsätze (die/das/welche …).

Schritt 2: Streiche alle Adverbien, die du nicht brauchst (eigentlich, offensichtlich …).

Schritt 3: Teile den Satz am Komma – und prüfe, ob jeder Teil alleine stehen kann.

🔧 Übung: Kürze diese langen Sätze!

Schreibe deine Version in das Textfeld. Klicke dann auf „Musterlösung zeigen".

Es ist zu beobachten, dass viele Museen in den letzten Jahren erkannt haben, dass eine rein analoge Präsentation von Kunstwerken für das jüngere Publikum, das täglich mit digitalen Medien aufwächst und einen anderen Zugang zu Inhalten bevorzugt, nicht mehr ausreichend ist.
Viele Museen haben begriffen: Analoge Ausstellungen reichen nicht mehr. Das junge Publikum tickt digital.
Durch den Einsatz von digitalen Mitteln wie interaktiven Displays, hochauflösenden Bildern und virtuellen Rundgängen ist es Museen möglich, ihre Sammlung einem weitaus größeren Publikum zugänglich zu machen, als es durch physische Ausstellungen jemals möglich wäre.
Digitale Mittel ermöglichen Museen Enormes. Mehr Werke. Mehr Reichweite. Mehr Publikum.
Die Tatsache, dass das Fotografierverbot in vielen Museen inzwischen aufgehoben wurde und Besucher sogar dazu aufgefordert werden, ihre Fotos in den sozialen Medien zu teilen, zeigt, dass Museen verstanden haben, dass die digitale Präsenz ein wichtiger Faktor für ihre Bekanntheit ist.
Das Fotoverbot fällt. Museen wollen geteilt werden. Das ist klug.
🎭

Teil 5 · Übung

Ironie im Kommentar

Was ist Ironie?

Ironie ist ein rhetorisches Mittel, bei dem das Gegenteil von dem gemeint ist, was gesagt wird.

Im Kommentar wird Ironie eingesetzt, um eine Position zu kritisieren, die Absurdität einer Situation sichtbar zu machen oder Lesende zum Nachdenken zu bringen.

VORSICHT: Ironie wirkt nur, wenn sie erkannt wird. Sie muss subtil und klar zugleich sein. Zu plumpe Ironie wirkt unseriös.

Signal-Wörter für Ironie
natürlich selbstverständlich sicherlich wie wir alle wissen wie überraschend gewiss klarerweise zweifelsohne

Diese Wörter signalisieren in einem ironiereichen Kontext, dass das Gegenteil gemeint ist.

Ohne Ironie vs. Mit Ironie

❌ Ohne Ironie (flach)

Viele Museen reagieren zu langsam auf die Digitalisierung.

✓ Mit Ironie (pointiert)

Natürlich werden Museen, die ihre letzte Webseite im Jahr 2003 aktualisiert haben, das junge Publikum im Sturm erobern.

❌ Ohne Ironie (flach)

Ein Fotoverbot in Museen ist in der heutigen Zeit kaum noch durchsetzbar.

✓ Mit Ironie (pointiert)

Sicher werden all die Digital Natives sofort ihr Smartphone in der Tasche lassen, wenn ein höfliches Schild sie darum bittet.

💡 Einsatz-Tipp

Ironie im Kommentar sparsam einsetzen: ein bis zwei Stellen reichen. Zu viel Ironie wirkt arrogant oder unsachlich. Der Rest des Textes bleibt sachlich-argumentativ.

Exklusiv-Tipp: Ironie funktioniert besonders gut im Einleitungssatz oder im Schlusssatz – dort, wo sie den stärksten Eindruck hinterlässt.

🔍 Übung: Ironie erkennen

Klicke auf einen Satz, um die Erklärung zu sehen. Was ist wirklich gemeint?

„Natürlich werden die Museen, die sich weigern zu digitalisieren, in Zukunft problemlos ausgebucht sein."
→ Das Gegenteil ist gemeint: Museen ohne Digitalisierung werden NICHT erfolgreich sein. Die Ironie liegt im Wort „natürlich".
👆 Klicken zum Aufdecken
„Wie überraschend, dass Jugendliche, die täglich stundenlang am Handy verbringen, kein Interesse an einem Museum haben, das ihnen verbietet, ihr Handy zu benutzen."
→ Es ist überhaupt nicht überraschend – es ist logisch und vorhersehbar. „Wie überraschend" ist das Signal für Ironie.
👆 Klicken zum Aufdecken
„Selbstverständlich ist ein virtueller Rundgang ein vollwertiger Ersatz für den Besuch vor dem Original – schließlich schmeckt auch das Foto einer Pizza genauso gut."
→ Er ist es NICHT. Der Pizza-Foto-Vergleich macht die Absurdität der Aussage deutlich und verstärkt die Ironie durch einen konkreten Vergleich.
👆 Klicken zum Aufdecken

✏️ Übung: Eigene Ironie formulieren

Formuliere zu den folgenden Aussagen jeweils eine ironische Version. Nutze Signal-Wörter.

Sachlich: Museen ohne Social-Media-Auftritt erreichen kaum noch junge Besucherinnen und Besucher.
Natürlich wird ein Museum ohne Instagram-Account in Zeiten von Reels und TikTok mühelos die Generation Z begeistern.
Sachlich: Es ist fraglich, ob digitale Kunstbetrachtung das Erlebnis vor dem Original ersetzen kann.
Selbstverständlich vermittelt ein 15x10-Pixel-Vorschaubild auf einer Museumswebsite dieselbe Ergriffenheit wie das Original vor Ort.
Sachlich: Wer kein Interesse an Kunst hat, wird auch durch digitale Angebote nicht ins Museum gelockt.
Wer kein Interesse an Kunst hat, braucht nur ein bisschen mehr digitales Brimborium – dann ist das Problem gelöst.
📋

Teil 6

Die Matura-Aufgabe

🎓 Matura · 21. September 2022 · Thema 1 / Aufgabe 2

Museen im digitalen Zeitalter

Situation: Im Rahmen eines Projekts an Ihrer Bildungsinstitution zum Thema Museen im digitalen Zeitalter verfassen Sie für die Projektzeitung einen Kommentar, für den Sie auch einen passenden Titel formulieren.

1

Geben Sie wieder, welche Möglichkeiten die Digitalisierung Museen und ihren Besucherinnen und Besuchern bietet.

2

Bewerten Sie die Idee der Digitalisierung von Museen.

3

Nehmen Sie Stellung zur Frage, ob bzw. inwiefern digitale Zugänge das Interesse an Kunst insbesondere bei jungen Menschen wecken können.

📄 Originaldokumente herunterladen

Die offiziellen Dokumente des Bundesministeriums zum Download – gleiches Verzeichnis:

Aufgabenstellung (AU) Lösungsblatt (LO)

Quelle: Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung · 21. September 2022

Kernaussagen des Ausgangstexts (Bericht von Jonas Wydler)

→ Das Kunstmuseum Luzern nutzt ein Scrollytelling-Format für die Turner-Ausstellung als digitale Ergänzung.

→ Viele Museen heben das Fotoverbot auf; Besucher werden sogar zum Teilen auf Social Media animiert.

→ Das Rijksmuseum Amsterdam hat über 200.000 Werke digital zugänglich gemacht.

→ Das Frankfurter Städel bietet Games für Kinder und spielerische digitale Zugänge zur Sammlung.

→ Google Arts & Culture zeigt Werke in Gigapixel-Auflösung und ermöglicht virtuelle Museumsbesuche.

✍️

Teil 7

Musterlösung – Kommentar

Zwei unterschiedliche Musterlösungen – eine pro-digital, eine kritischer. Die Annotationen zeigen, welche Elemente wo eingesetzt werden.

Kunst auf Knopfdruck – oder: Wie Museen endlich aufgewacht sind Das Bild ist ikonisch: Ein Teenager steht vor einem Rembrandt und fotografiert – nicht das Gemälde, sondern sein eigenes Gesicht davor. Sollte uns das beunruhigen? Nein. Es sollte uns freuen. Denn dieses Selfie hat das Museum in die Welt getragen. Der Bericht von Jonas Wydler zeigt, wie Museen wie das Kunstmuseum Luzern die Digitalisierung als Chance nutzen. Mit Scrollytelling-Formaten, animierten Zusatzinformationen und hochaufgelösten Bildern erschließen sie ihre Sammlungen einem neuen Publikum. Das Rijksmuseum Amsterdam etwa hat über 200 000 Werke online zugänglich gemacht – mehr, als jede physische Ausstellung je zeigen könnte. Die Idee der Digitalisierung von Museen ist nicht nur sinnvoll, sie ist notwendig. Dafür sprechen vor allem zwei Argumente: Erstens ermöglicht die digitale Aufbereitung eine Betrachtungstiefe, die vor Ort nicht möglich ist – man kann bis zum feinsten Pinselstrich zoomen. Zweitens erreicht ein ansprechender Onlineauftritt Menschen, die das Museum sonst nie besucht hätten. Freilich lässt sich einwenden, dass das Original seine Aura verliert, wenn es nur noch auf dem Bildschirm existiert. Dennoch überwiegen die Vorteile, denn wer das Werk erst digital entdeckt, kommt vielleicht bald live vorbei. Besonders junge Menschen, die täglich über Screens in die Welt eintauchen, brauchen digitale Zugänge zur Kunst. Nicht als Ersatz, sondern als Türöffner. Wer sich mit einem Klick in die Welt eines Turner-Gemäldes hineinzoomen kann, ist neugieriger auf das Original als jemand, der nur ein Eingangsschild sieht. Museen, die das verstehen, werden nicht sterben – sie werden wachsen. Die anderen? Nun, sie können ihr Fotoverbot weiterhin verteidigen. Bis der letzte Besucher das Haus verlässt.
⟨ ca. 298 Wörter · alle 3 Arbeitsaufträge erfüllt ⟩
Wenn das Museum zum Touchscreen wird Museen digitalisieren – und die Kulturwelt applaudiert. Doch sollte man nicht auch fragen, was dabei verloren geht? Der Bericht von Jonas Wydler schildert, wie Museen zunehmend auf digitale Mittel setzen: Scrollytelling-Formate, virtuelle Rundgänge, Games für Kinder. Das Ziel ist klar – neue, jüngere Besucherschichten ansprechen. Der Ansatz ist nachvollziehbar, denn die Konkurrenz um Aufmerksamkeit ist groß. Trotzdem wäre es zu einfach, Digitalisierung nur als Gewinn zu sehen. Zum einen besteht die Gefahr, dass das interaktive Drumherum wichtiger wird als das Werk selbst. Wer mit einem Tablet durch die Ausstellung schlendert, beschäftigt sich mit dem Tool, nicht mit dem Gemälde. Zum anderen kann die Digitalisierung den Nimbus des Originals zerstören: Was jederzeit und überall abrufbar ist, verliert seinen Ausnahmecharakter. Ein Kunstwerk, das man jederzeit zoomen kann, büßt an Faszination ein. Dennoch: Mit Bedacht eingesetzt, kann die Digitalisierung tatsächlich das Interesse an Kunst wecken – insbesondere bei Jüngeren. Der Schlüssel liegt in der Dosierung. Digitale Angebote dürfen das Erlebnis vor dem Original ergänzen, aber nicht ersetzen. Wer erst online von Turner fasziniert wird, kommt vielleicht auch ins Museum. Wer ausschließlich digital Kunst konsumiert, verliert möglicherweise den Bezug zum Werk. Museen sind keine Unterhaltungsparks. Sie sind Orte der Begegnung mit dem Außergewöhnlichen. Digitale Mittel sind dabei Werkzeug – nicht Zweck. Wer das vergisst, digitalisiert sich ins Nichts.
⟨ ca. 283 Wörter · kritische Position · alle 3 Arbeitsaufträge erfüllt ⟩
[TITEL – pointiert, mit Ironie-Anspielung] Kunst auf Knopfdruck – oder: Wie Museen endlich aufgewacht sind [EINLEITUNG – Hook + These implizit] Das Bild ist ikonisch: Ein Teenager steht vor einem Rembrandt und fotografiert – nicht das Gemälde, sondern sein eigenes Gesicht davor. Sollte uns das beunruhigen? Nein. Es sollte uns freuen. Denn dieses Selfie hat das Museum in die Welt getragen. [HAUPTTEIL A – Inhaltswiedergabe / Deskription] Der Bericht von Jonas Wydler zeigt, wie Museen wie das Kunstmuseum Luzern die Digitalisierung als Chance nutzen. Mit Scrollytelling-Formaten, animierten Zusatzinformationen und hochaufgelösten Bildern erschließen sie ihre Sammlungen einem neuen Publikum. Das Rijksmuseum Amsterdam etwa hat über 200 000 Werke online zugänglich gemacht – mehr, als jede physische Ausstellung je zeigen könnte. [HAUPTTEIL B – Argumentation / Bewertung] Die Idee der Digitalisierung von Museen ist nicht nur sinnvoll, sie ist notwendig. Dafür sprechen vor allem zwei Argumente: Erstens ermöglicht die digitale Aufbereitung eine Betrachtungstiefe, die vor Ort nicht möglich ist. Zweitens erreicht ein ansprechender Onlineauftritt Menschen, die das Museum sonst nie besucht hätten. Freilich lässt sich einwenden, dass das Original seine Aura verliert. Dennoch überwiegen die Vorteile. [HAUPTTEIL C – Stellungnahme / Evaluation] Besonders junge Menschen, die täglich über Screens in die Welt eintauchen, brauchen digitale Zugänge zur Kunst. Nicht als Ersatz, sondern als Türöffner. [SCHLUSS – Fazit + Ironie als Schlusseffekt] Museen, die das verstehen, werden nicht sterben – sie werden wachsen. Die anderen? Nun, sie können ihr Fotoverbot weiterhin verteidigen. Bis der letzte Besucher das Haus verlässt.

Teil 8

Interaktive Checkliste

Klicke auf jede Zeile, um sie abzuhaken. Alle neun Punkte erfüllt? Dann ist dein Kommentar maturareif!

Alle 3 Arbeitsaufträge bearbeitet?
Passenden Titel formuliert (prägnant, pointiert)?
Klare eigene Meinung / These vorhanden?
Mindestens 2 Argumente mit Belegen oder Beispielen?
Gegenargument genannt und entkräftet?
Mindestens 1 kurzer, pointierter Satz zur Betonung?
Ironische Stelle eingebaut (optional, aber empfohlen)?
Absätze mit Leerzeilen getrennt (kein Einzug)?
Wortanzahl 270–330 eingehalten und gezählt?
Kommentar nochmals laut vorgelesen und Fehler korrigiert?

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