Vollständige Anleitung zur Textsorte Kommentar – mit Textbausteinen, Ironie-Übungen, Kurzssatz-Training und der kompletten Matura-Aufgabe vom 21. September 2022.
Teil 1
Ein Kommentar ist eine meinungsbetonte Textsorte. Die Autorin oder der Autor nimmt klar Stellung zu einem Thema, begründet die eigene Position und will die Lesenden überzeugen.
Anders als ein Bericht ist der Kommentar ausdrücklich parteiisch – er vertritt eine klare Haltung und scheut sich nicht davor, unbequeme Wahrheiten auszusprechen.
→ These: Eine klare, vertretbare Meinung – direkt im Einstieg.
→ Argumentation: Mindestens 2–3 Gründe, warum die These stimmt.
→ Bewertung: Keine neutrale Berichterstattung – du positionierst dich!
→ Stil: Sachlich, aber pointiert – oft mit rhetorischen Mitteln (Ironie, kurze Sätze).
→ Titel: Fasst die eigene Haltung oder das Thema prägnant zusammen.
Bericht: sachlich · neutral · keine Wertung · W-Fragen · Präteritum/Perfekt
Blogeintrag: persönlich · informell · eigene Meinung erlaubt · Leseransprache · lockere Sprache
Kommentar: meinungsbetont · argumentativ · pointiert · klar positioniert · überzeugend · formell
Laut Matura-Bewertungsschema erfüllt ein guter Kommentar drei Schreibhandlungen:
→ Argumentation: Du begründest, warum du etwas so siehst.
→ Deskription / Rekapitulation: Du gibst kurz wieder, worum es im Ausgangstext geht.
→ Evaluation: Du bewertest Ideen, Konzepte oder Positionen aus dem Ausgangstext.
Diese drei Schreibhandlungen entsprechen den drei Arbeitsaufträgen der Matura-Aufgabe.
Teil 2
Ein guter Kommentar hat eine klare Struktur. Jeder Abschnitt hat eine eigene Funktion – und einen Leerzeilen-Absatz dazwischen.
| Abschnitt | Inhalt & Funktion | Wichtiger Hinweis |
|---|---|---|
1. Einleitung Titel + Hook |
Zieht die Lesenden sofort in den Text. Enthält eine These oder provokante Frage, einen überraschenden Einstieg oder ein aktuelles Beispiel. | Kein langer Einstieg – in 2–4 Sätzen zur These kommen! |
2. Hauptteil A Wiedergabe |
Gibt kurz und sachlich wieder, worum es geht – Anlass, Situation, Kernaussage(n) des Ausgangstextes. Hier ist KEINE eigene Meinung angebracht. | Nicht zu ausführlich! Nur so viel, dass Lesende ohne Ausgangstext verstehen. |
3. Hauptteil B Argumentation |
Das Herzstück: Du begründest deine Position mit mindestens 2–3 Argumenten. Jedes Argument wird mit Beispiel oder Beleg gestützt. Gegenargumente kurz nennen und entkräften. | Pro–Kontra-Struktur zeigt Tiefe. Nie ohne Beleg argumentieren! |
4. Hauptteil C Stellungnahme |
Hier nimmst du klar Stellung zur Ausgangsfrage. Was ist deine persönliche Einschätzung? Wie bewertest du das Thema insgesamt? | Mut zur klaren Haltung! Wer keine Meinung hat, schreibt keinen Kommentar. |
5. Schluss Fazit / Appell |
Bringt den Text zu einem pointierten Ende. Kein neues Thema! Oft mit Appell, Ausblick oder einer rhetorischen Frage. | Der letzte Satz bleibt im Kopf. Invest ihn weise. |
An der Matura gibt es meist 3 Arbeitsaufträge. Achte darauf, dass du alle bearbeitest:
→ Auftrag 1 (wiedergeben) → Hauptteil A
→ Auftrag 2 (bewerten) → Hauptteil B
→ Auftrag 3 (Stellung nehmen) → Hauptteil C
Absätze: Leerzeile zwischen den Abschnitten – kein Einzug! | Wortanzahl: exakt einhalten.
Ein guter Kommentar-Titel hat eine von drei Funktionen:
→ These als Titel: „Digitalisierung rettet Museen – aber nur, wenn sie es richtig machen."
→ Provokante Frage: „Brauchen Museen ein Instagram-Konto, um zu überleben?"
→ Schlagzeilen-Stil: „Kunst für alle – oder Kunst für niemanden?"
Schreibe den Titel erst zum Schluss. Dann weißt du wirklich, worum dein Kommentar geht.
Teil 3
Diese Phrasen helfen dir, deinen Kommentar sprachlich zu gestalten. Nutze sie als Inspiration – nicht als Schablone! Passe sie an deinen eigenen Stil an.
Um Argumente wirkungsvoll zu verknüpfen, brauchst du die richtigen Konjunktionen:
→ Begründen: denn · weil · da · zumal · nicht zuletzt deshalb, weil
→ Einräumen / Einschränken: zwar … aber · einerseits … andererseits · freilich · mag sein, dass … doch
→ Schluss ziehen: folglich · daher · deshalb · demzufolge · somit
→ Steigern: darüber hinaus · überdies · nicht nur … sondern auch
Teil 4 · Übung
Im Kommentar gilt: Kurze Sätze wirken kraftvoll. Sie setzen Akzente. Sie unterstreichen eine Aussage.
Lange Schachtelsätze verwirren die Lesenden und schwächen die Argumentation. Ein kurzer, pointierter Satz bleibt im Gedächtnis – ein langer geht unter.
Faustregel: Wechsle zwischen kurzen und langen Sätzen. Setze den kurzen Satz dort ein, wo du Nachdruck erzeugen willst.
Die Digitalisierung, die in den letzten Jahren in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens Einzug gehalten hat, bietet auch Museen die Möglichkeit, ihre Sammlungen einem breiteren Publikum zugänglich zu machen.
Die Digitalisierung ist überall. Auch Museen müssen mitziehen. Die Frage ist nur: wie.
Schritt 1: Streiche alle Relativsätze (die/das/welche …).
Schritt 2: Streiche alle Adverbien, die du nicht brauchst (eigentlich, offensichtlich …).
Schritt 3: Teile den Satz am Komma – und prüfe, ob jeder Teil alleine stehen kann.
Schreibe deine Version in das Textfeld. Klicke dann auf „Musterlösung zeigen".
Teil 5 · Übung
Ironie ist ein rhetorisches Mittel, bei dem das Gegenteil von dem gemeint ist, was gesagt wird.
Im Kommentar wird Ironie eingesetzt, um eine Position zu kritisieren, die Absurdität einer Situation sichtbar zu machen oder Lesende zum Nachdenken zu bringen.
VORSICHT: Ironie wirkt nur, wenn sie erkannt wird. Sie muss subtil und klar zugleich sein. Zu plumpe Ironie wirkt unseriös.
Diese Wörter signalisieren in einem ironiereichen Kontext, dass das Gegenteil gemeint ist.
Viele Museen reagieren zu langsam auf die Digitalisierung.
Natürlich werden Museen, die ihre letzte Webseite im Jahr 2003 aktualisiert haben, das junge Publikum im Sturm erobern.
Ein Fotoverbot in Museen ist in der heutigen Zeit kaum noch durchsetzbar.
Sicher werden all die Digital Natives sofort ihr Smartphone in der Tasche lassen, wenn ein höfliches Schild sie darum bittet.
Ironie im Kommentar sparsam einsetzen: ein bis zwei Stellen reichen. Zu viel Ironie wirkt arrogant oder unsachlich. Der Rest des Textes bleibt sachlich-argumentativ.
Exklusiv-Tipp: Ironie funktioniert besonders gut im Einleitungssatz oder im Schlusssatz – dort, wo sie den stärksten Eindruck hinterlässt.
Klicke auf einen Satz, um die Erklärung zu sehen. Was ist wirklich gemeint?
Formuliere zu den folgenden Aussagen jeweils eine ironische Version. Nutze Signal-Wörter.
Teil 6
Geben Sie wieder, welche Möglichkeiten die Digitalisierung Museen und ihren Besucherinnen und Besuchern bietet.
Bewerten Sie die Idee der Digitalisierung von Museen.
Nehmen Sie Stellung zur Frage, ob bzw. inwiefern digitale Zugänge das Interesse an Kunst insbesondere bei jungen Menschen wecken können.
Die offiziellen Dokumente des Bundesministeriums zum Download – gleiches Verzeichnis:
Quelle: Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung · 21. September 2022
→ Das Kunstmuseum Luzern nutzt ein Scrollytelling-Format für die Turner-Ausstellung als digitale Ergänzung.
→ Viele Museen heben das Fotoverbot auf; Besucher werden sogar zum Teilen auf Social Media animiert.
→ Das Rijksmuseum Amsterdam hat über 200.000 Werke digital zugänglich gemacht.
→ Das Frankfurter Städel bietet Games für Kinder und spielerische digitale Zugänge zur Sammlung.
→ Google Arts & Culture zeigt Werke in Gigapixel-Auflösung und ermöglicht virtuelle Museumsbesuche.
Teil 7
Zwei unterschiedliche Musterlösungen – eine pro-digital, eine kritischer. Die Annotationen zeigen, welche Elemente wo eingesetzt werden.
Teil 8
Klicke auf jede Zeile, um sie abzuhaken. Alle neun Punkte erfüllt? Dann ist dein Kommentar maturareif!
Alle Lernmaterialien, Audio-Erklärungen, Arbeitsblätter und Musterlösungen kostenlos auf der Website.
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