Textsorten by Sara

#3  Der Bericht

9. Schulstufe ~250 Minuten Deutsch Ömer erklärt Medienkunde
Ömer
🎧 Ömers Audio-Erklärung zum Bericht Ömer erklärt dir: Was ist ein Bericht, warum die 5 W-Fragen, wann Aktiv/Passiv, direkte Rede im Bericht vs. in der Geschichte – kurz, klar, auf den Punkt!

Was ist ein Bericht?

📰
Definition
Ein Bericht ist eine sachliche, objektive Textsorte. Er beschreibt reale Ereignisse ohne persönliche Meinung. Berichte findest du in Zeitungen, auf Nachrichtenwebsites, im Radio und im Fernsehen.
🎯
Merkmale
Sachlich – keine Meinungen, nur Fakten.

Vollständig – alle 5 W-Fragen beantwortet.

Klar gegliedert – Überschrift, Einleitung, Hauptteil.
📋
Wo findest du Berichte?
Zeitungsartikel · Nachrichtenwebsites · Radio-Nachrichten · TV-Berichte · Polizeiliche Mitteilungen · Schulberichte · Protokolle
Sara
Sara sagt:
„Ein Bericht ist eigentlich das Gegenteil von dem, was du auf Social Media siehst. Kein ‚Ich finde, dass…', kein Drama, keine Übertreibung. Nur: Was ist passiert? Wann? Wo? Wer? Wie? – Das klingt trocken, aber genau das macht einen guten Journalisten aus."

Die 5 W-Fragen

Jeder vollständige Bericht beantwortet diese fünf Fragen. Fehlt eine – merkt es der Leser sofort.

WO?
Ort des Geschehens
Wo hat das Ereignis stattgefunden? Stadt, Straße, Gebäude – so genau wie möglich.
„auf dem Pausenhof des BRG Musterstraße in Wien"
WANN?
Zeitpunkt oder Zeitraum
Datum, Uhrzeit, oder zumindest ein ungefährer Zeitraum.
„Am Montagnachmittag, 3. März 2025"
WAS?
Das Ereignis selbst
Was ist genau passiert? Das ist die Kernaussage des Berichts.
„Schüler entdeckten eine schwer verletzte Amsel"
WER?
Beteiligte Personen
Wer war dabei? Namen, Gruppen, Institutionen – je nach Relevanz.
„Schülerinnen und Schüler der 9a, Lehrerin Frau Mag. Huber, Wildtierhilfe Wien"
WIE?
Art und Weise des Geschehens
Wie hat es sich zugetragen? Hier beschreibst du den Ablauf.
„Sie informierten die Lehrerin und kontaktierten die Wildtierhilfe. Innerhalb von 20 Minuten traf eine Mitarbeiterin ein."
💡 Ömer-Tipp: Stell dir vor, du rufst den Notruf an. Du sagst automatisch: WO (Adresse!), WAS (was ist passiert?), WER (wer braucht Hilfe?). Das ist derselbe Instinkt – beim Bericht machst du es schriftlich und strukturiert.

Aufbau eines Berichts

1
Überschrift
Kurz, prägnant. Fasst das Wichtigste zusammen – oft Thema + Ort oder Ergebnis.
„Schüler retten verletzte Amsel auf dem Schulhof"
2
Lead / Einstieg
Der erste Satz (oder die ersten zwei Sätze) fasst alle wichtigsten Infos zusammen: WO, WANN, WAS, WER.
„Wien, 3. März 2025 – Am Montagnachmittag entdeckten Schüler der 9a eine verletzte Amsel auf dem Schulhof."
3
Hauptteil
Details, Hintergründe, Ablauf – das WIE. Informationen nach Wichtigkeit geordnet (Wichtigstes zuerst!).
„Die Jugendlichen handelten umgehend: Sie informierten ihre Lehrerin..."
4
Schluss (optional)
Ausblick, aktueller Stand oder Reaktionen – falls vorhanden. Keine Meinung!
🗺️ Das umgekehrte Pyramiden-Prinzip

Journalisten schreiben nach dem Prinzip der umgekehrten Pyramide: Das Wichtigste steht immer am Anfang!

WICHTIGSTES zuerst – alle 5 W-Fragen
Details & Hintergründe
Weniger Wichtiges

Warum? Damit ein Leser, der den Text nur überfliegt, trotzdem das Wichtigste erfährt. Und Redakteure können am Ende kürzen, ohne das Wichtige zu verlieren.


Aktiv und Passiv im Bericht

AKTIV

Jemand tut etwas → Die Person/Gruppe ist im Fokus.

"Die Feuerwehr löschte den Brand."
"Die Schüler informierten die Lehrerin."

✅ Verwende Aktiv, wenn klar ist, WER handelt und das wichtig ist.

PASSIV

Etwas wird getan → Die Handlung ist im Fokus.

"Der Brand wurde gelöscht."
"Das Tier wurde behutsam transportiert."

✅ Verwende Passiv, wenn die Handlung wichtiger ist als der Handelnde.

⚡ Passiv bilden: werden + Partizip II
Präsens: wird gelöscht  |  Präteritum: wurde gelöscht  |  Perfekt: ist gelöscht worden
Warum viel Passiv in Berichten?

In Berichten will man sachlich und neutral klingen. Das Passiv hilft dabei – es rückt die Handlung in den Vordergrund, nicht die Person. Außerdem ist es manchmal unbekannt, wer genau etwas getan hat – dann ist das Passiv die ehrlichere Formulierung.


Direkte und Indirekte Rede

💬 Direkte Rede
Genauer Wortlaut, mit Anführungszeichen:

„Das war aufregend!", sagte die Schülerin.

→ Im Bericht: sparsam verwenden, nur bei offiziellen Statements oder sehr wichtigen Zitaten.

→ In Geschichten/Erzählungen: häufig verwenden – macht den Text lebendig!
📋 Indirekte Rede
Inhalt wiedergeben, ohne Anführungszeichen. Meist mit Konjunktiv I:

Die Schülerin sagte, das sei aufregend gewesen.

→ Im Bericht: hauptsächlich verwenden – sachlicher und sicherer (du warst ja nicht dabei!).

→ Konjunktiv I: sein → sei, haben → habe, kommen → komme
🎭 Bericht vs. Geschichte – der Unterschied
Bericht: Die Lehrerin teilte mit, die Klasse habe sehr gut reagiert.
Bericht: Laut Polizei sei niemand verletzt worden.
Geschichte: "Schau mal!", rief Leila aufgeregt. "Der Vogel kann nicht fliegen!"
Geschichte: "Was machen wir jetzt?", flüsterte Kemal.

Merke: Im Bericht klingt es sachlich und distanziert. In der Geschichte klingt es lebendig und unmittelbar. Beide sind richtig – aber in verschiedenen Textsorten!


Zeitformen im Bericht

📝 Präteritum
Haupttempus im geschriebenen Bericht
„Die Schüler entdeckten die Amsel."
🗣️ Perfekt
Gesprochen; auch im Bericht möglich
„Die Schüler haben die Amsel gerettet."
⏰ Präsens
Für aktuell andauernde Zustände
„Die Polizei ermittelt noch."
⏮️ Plusquamperfekt
Für Ereignisse VOR dem Hauptgeschehen
„Nachdem sie gerufen hatte, ..."

Die Medienlandschaft in Österreich

Berichte erscheinen in ganz verschiedenen Medien – aber nicht alle arbeiten gleich. Hier ein Überblick, damit du die Unterschiede kennst.

🏆
Qualitätsmedien
Beispiele: Der Standard, Die Presse, Wiener Zeitung, Profil, Falter

Qualitätsmedien haben ausgebildete Redakteurinnen und Redakteure, klare Quellenpflicht und trennen strikt zwischen Nachricht (Bericht, Fakten) und Meinung (Kommentar, Kolumne). Sie recherchieren aufwändig und haben einen guten Ruf zu verlieren.
📣
Boulevardmedien
Beispiele: Kronen Zeitung, Österreich (oe24), Heute

Boulevardzeitungen sind nicht automatisch schlechter – sie erreichen viele Menschen und können wichtige Themen in einfacher Sprache verbreiten. Aber: Sie sind oft reißerischer, emotionaler und mischen Meinung und Nachricht stärker. Kritisch lesen ist wichtig!
📻
Öffentlich-rechtlicher Rundfunk
In Österreich: ORF (Radio, TV, orf.at)

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist durch den Staat finanziert (GIS/Rundfunkgebühr) – aber nicht vom Staat kontrolliert. Er hat per Gesetz eine Pflicht zu Unparteilichkeit und Vielfalt. Das macht ihn zu einer besonders verlässlichen Quelle – besonders in Krisen.
🚇
U-Bahn-Zeitungen (Gratiszeitungen)
Beispiele: Heute, Gratis-Ausgaben

Diese Zeitungen sind kostenlos und werden durch Werbung finanziert. Sie haben weniger Raum für tiefgehende Recherche und richten sich an ein breites, schnelles Publikum. Nützlich für schnelle News – aber für komplexe Themen besser eine Qualitätszeitung lesen!
🌐 Warum Social Media keine Zeitung ersetzen kann
Kein Redaktionsprozess
Auf Social Media kann jeder alles posten – ohne Recherche, ohne Gegenlesen, ohne Verantwortung. Bei Zeitungen gibt es Redakteure, die Fakten prüfen.
Algorithmen ≠ Relevanz
Social Media zeigt dir, was dich emotional anspricht – nicht, was wichtig ist. Echte Redaktionen entscheiden nach journalistischen Kriterien.
Keine Haftung
Zeitungen und Sender haften für falsche Berichte (Medienrecht!). Instagram oder TikTok haften nicht für falsche Inhalte ihrer Nutzerinnen.

Fakten checken – so geht's

Fake News sind ein echtes Problem – auch in seriösen Medien passieren Fehler. So kannst du Informationen überprüfen:

1
Quelle prüfen
Wer hat das geschrieben? Ist die Quelle bekannt und seriös? Gibt es ein Impressum? Ist es eine Einzelperson oder eine Redaktion?
2
Mehrere Quellen vergleichen
Berichten mehrere unabhängige Medien dasselbe? Wenn nur eine Quelle etwas berichtet, ist Vorsicht geboten. APA (Austria Presse Agentur) ist eine verlässliche Basisquelle.
3
Spezielle Faktenchecker nutzen
In Österreich: APA Faktencheck (apa.at/faktencheck), Mimikama (mimikama.org) für virale Falschmeldungen. International: Snopes, Correctiv, Full Fact.
4
Bilder & Videos prüfen
Bilder können manipuliert oder alt sein. Mit Google Bildersuche (Rückwärtssuche) oder TinEye kannst du prüfen, woher ein Bild wirklich stammt.
5
Emotionen als Warnsignal
Wenn eine Nachricht sehr starke Emotionen auslöst (Wut, Angst, Empörung) – Vorsicht! Das kann ein Zeichen sein, dass sie gezielt so formuliert wurde. Erst prüfen, dann teilen.
🇦🇹 Tipp für Österreich: Der ORF und die APA (Austria Presse Agentur) sind in Österreich besonders verlässliche Quellen. Die APA ist die offizielle Nachrichtenagentur – alle großen Medien beziehen von ihr Nachrichten.

Tipps für einen starken Bericht

🎯 Wichtigstes zuerst

Die wichtigsten Infos kommen in den ersten Satz. Der Leser muss sofort wissen: Was ist passiert? Denk ans umgekehrte Pyramiden-Prinzip.

💡 Keine Meinung!

Im Bericht schreibst du niemals „Ich finde, dass..." oder „Das war toll". Du berichtest nur, was war. Deine Meinung gehört in einen Kommentar oder Leserbrief – nicht in den Bericht.

✏️ Indirekte Rede beherrschen

Übe den Konjunktiv I – er macht deine Berichte professionell und signalisiert: „Das ist, was jemand gesagt hat – ich verbürge mich nicht dafür."

Ömer
🏆 Das Fazit von Ömer:

„Ein guter Bericht ist wie ein guter Zeuge – er sagt genau, was er gesehen hat, nicht mehr und nicht weniger. Keine Ausschmückungen, keine Meinung, keine Dramatik. Nur: WO, WANN, WAS, WER, WIE. Klingt simpel – ist es aber nicht immer. Aber wenn du das kannst, kannst du eigentlich alles schreiben."

✅ Checkliste: Hast du alles?

Klicke auf die Punkte, um sie als erledigt zu markieren.

Ich habe alle 5 W-Fragen beantwortet.
Mein Bericht steht im Präteritum.
Ich verwende hauptsächlich indirekte Rede.
Ich habe mindestens einen Passivsatz.
Keine persönliche Meinung im Text.
Das Wichtigste steht am Anfang.
80–120 Wörter (oder wie vorgegeben).
Rechtschreibung und Grammatik überprüft.
Ömer
💬 Hey! Hör dir meine Audio-Erklärung an – dann checkst du den Bericht sofort!